Wir haben Veli Iž, unseren Winterliegeplatz, gerade rechtzeitig erreicht. Auch in Kroatien stellt sich jetzt das Wetter auf Mitte November ein: Sonne, Wolken und Regen, der am meisten dominiert, wechseln sich ab und die Temperaturen liegen nachts bei 10 bis 12 und klettern tagsüber nur noch auf 15 bis 17 Grad. Gut, dass wir eine funktionierende Heizung an Bord haben!
Sicher im Hafen liegend orientieren wir uns trotzdem noch an dem Wettergeschehen. Bei langen Regenpausen machen wir ausgiebige Spaziergänge mit Lucky oder werkeln an Deck und bei stundenlangem Dauerregen arbeiten wir unter Deck. Zu tun gibt es genug: Alles aufräumen und den angesammelten Dreck (Staub, Hundehaare, Salz) der letzten Monate wegputzen, alle Bilgenfächer, also die tiefsten Winkel im Schiff, auf Roststellen untersuchen, gegebenenfalls entrosten und streichen, mit einer umfangreichen Inventur all der wichtigen Dinge, die wir an Bord haben oder gehabt haben und wieder ersetzen oder auffüllen müssen, beginnen, entsprechend Listen führen, im Internet recherchieren, die ersten Sachen bestellen; an Deck die Colette winterfest machen, d.h. alle Leinen, die nicht mehr benötigt werden, abnehmen, waschen, trocknen und einlagern, bewegliche Teile und Gewinde fetten. Eigentlich gehört auch das Abschlagen der Segel dazu. Dafür brauchen wir aber ein, zwei Tage Sonnenschein ohne allzu viel Wind, um die Segel hochziehen und trocknen zu können. Erst dann können wir sie abnehmen und zusammenlegen.

















Schließlich stehen auch einige kleinere Reparaturen – meist Schönheitsreparaturen – an: die Paddel des Dingis schleifen und streichen, ebenso das Sitzbrett. Kleine Roststellen im Cockpit schleifen und ausbessern, ach ja und dann hätten wir noch viele Roststellen an Deck, die dringend ausgebessert gehören, aber auch dazu brauchen wir einige Tage mit beständig schönem Wetter.




Aber das schöne Wetter lässt auf sich warten. So haben wir Zeit, und beginnen, die letzten sieben Monate „auszuwerten“ und eine kleine Statistik über die Reisesaison 2022 zusammenzustellen:
Reisezeit: 20.04.2022 bis 11.11.2022
206 Tage
mit 89 Tagen unter Fahrt (mit 7 Nachtfahrten)
mit 117 Liegetagen
Reisestrecke: 2.212,5 Seemeilen
Sardinien – Sizilien – Malta – Sizilien – Kalabrien – Apulien – Kroatien
[Gesamt ab Lübeck (2021): 5.080,8 Seemeilen]
Fahrtzeiten: Betriebsstunden Motor: 575,5 Stunden
davon unter Motor (inkl. Ankermanövern* bzw. Segelunterstützung bei schwachem Wind): 267,6 Stunden = 46,5 %
davon unter Segel: 307,9 Stunden = 53,5 %
Dieselverbrauch: 550 l bei 267,6 Betriebsstunden und 2.212,5 Seemeilen
bedeutet 2,1 l/Stunde
bedeutet 0,25 l/Seemeile (bzw. 0,135 l/km, also 13,5 l/100 km)
Übernachtungen: 35 Nächte im Hafen
14 Nächte an Bojen
139 Nächte vor Anker
7 Nächte unterwegs
11 Nächte im Trockendock an Land
Kosten für Hafen, Bojen, Ankern: ca. 1.160 € (7,60 €/Tag bzw. zwischen 90 € und 370 €/30 Tage je nach Monat**)
Längste Etappe: 163 Seemeilen (1 Tag und 9 Stunden, Sardinien – Sizilien)
Kürzeste Etappe: 4,5 Seemeilen (1,4 Stunden, Sardinien)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4 Knoten (also 4 Seemeilen/Stunde)
Maximale Geschwindigkeit. 8,2 Knoten (segelnd vor Sizilien)
Stürmische Fahrten: 09.06.2022: 20-30 Knoten Wind, Böen 40-50 Knoten (vor Sizilien)
16.07.2022: 30-40 Knoten Wind, Böen bis 43 Knoten (Straße von Messina zwischen Sizilien und Kalabrien)
Sichtungen: Delfine und Tümmler, 10 Mal
Grinden- oder Schwertwal, 1 Mal
Rochen, 1 Mal
Unechte Karettschildkröte, 2 Mal
*Für das Einholen bzw. Ausbringen des Ankers muss der Motor laufen, da die Ankerwinsch zum einen sehr viel Strom benötigt, um die lange und schwere Kette zu bewegen, zum anderen muss insbesondere beim Anker stecken manövriert werden, um den Anker optimal auszubringen. Dies benötigt je nach Verhältnissen i.d.R. zwischen 15 und 30 Minuten pro Vorgang. D.h. selbst wenn man den ganzen Tag hatte segeln können, kommen so zwischen einer halben und einer ganzen Stunde Motorbetrieb zusammen und verfälschen den prozentualen Anteil des Segelns.
**Variiert, je nachdem, wie häufig Wasser getankt werden muss, Städte besichtigt werden wollen, stürmisches Wetter abgewettert werden muss, nach Land (in Italien waren die Stadthäfen kostenlos), und vor allem auch Saison: in der Hochsaison fällt je nach Hafen ggf. ein Vielfaches des Nebensaisonpreises an.