Was schon alles über sie gesagt und geschrieben wurde füllt Bücher. Dabei meine ich nicht all die vielen spannenden Erkenntnisse der Forscher über ihre Biologie, über ihr Verhalten und ihre außergewöhnlichen Sinnesleistungen, die sie zusammengetragen haben. Sondern ich meine die unzähligen Beschreibungen, Geschichten, Erzählungen, Interpretationen, die es zuhauf über sie gibt. Dabei unterscheide ich nicht, ob es laienhafte, zum Teil vielleicht unbeholfene, unfertige Schilderungen sind oder ob es sich um lyrisch brillante Formulierungen handelt. Ganz gleich. Denn ich glaube, dass sich niemand, der in irgendeiner Form mit ihnen in Berührung gekommen ist, sich dieser Faszination, die sie ausstrahlen, entziehen kann. Und wer mit seinem kleinen Segelboot irgendwo im endlos erscheinenden Meer unterwegs ist und plötzlich von diesen imposanten Tieren für Augenblicke oder stundenlang Gesellschaft bekommt, schon gar nicht: Delfine!
Unglaublich graziös, seien sie, elegant, wie sie mühelos und kraftvoll durch das Wasser gleiten. Mit dem Wasser und den Wellen eins werden. Im Wasser zu schweben scheinen, die Leichtigkeit des Schwimmens und Tauchens in idealer Weise verkörpern. Und ihre plötzliche Schnelligkeit, ein fast unmerklicher Schwanzschlag und sie sind weg. Dann ihre Sprünge, meterhoch über das Wasser, mit Schrauben und Überschlägen. Ganze Gruppen, Schulen, im Synchronschwimmen und -springen, die Formation aber urplötzlich wieder auflösend, um in wilde Verfolgungsjagden überzugehen.
Mit der Bugwelle der Schiffe können sie minutenlang, ja stundenlang spielen. Sehr verspielt seien sie. Neugierig und verspielt, das wird ihnen oft nachgesagt. Deshalb würden sie auch immer wieder die Segelboote umkreisen, mit dem Schiff um die Wette schwimmen. Vor dem Schiff auftauchen, wegtauchen und auf den Wellen reiten.
Nachts sei es am faszinierendsten. Besonders dann, wenn grün fluoreszierende Algen im Wasser sind. Zusammen mit den Abermillionen kleinen Luftbläschen, die sich um den Körper und in der Bug- und Schwanzwelle der Tiere bilden, ergibt sich ein grünweißer, feenhafter Schleier, der für Bruchteile von Sekunden bleibt, märchenhaft unwirklich die Gestalt und die Bewegung der Tiere nachzeichnet, für einen Augenblick festhält und nach einem kurzen, grünen Aufglühen wieder vergehen lässt. Und schon bildet sich der nächste grünweiße Schein, wabert, für Momente Nordlichter in den Ozean gezaubert, glüht wieder, vergeht, nicht ganz, denn schon saust der nächste Delfin vorbei, weißgrüne Gischt schäumt bei seinem Sprung direkt vor dem Bug des Schiffes auf und ein schemenhaftes grünweißes Band verschwindet in die Tiefe.
Freundlich seien sie. Um ihre Schnauze scheint immer ein Lächeln zu spielen. Gerne legen sie sich beim Schwimmen schräg auf die Seite, schauen zum Schiff hinauf und lächeln ihren Beobachtern aufmunternd zu. Leichtes Kopfnicken verstärken die freundliche, einladende Geste: „Hallo, wie geht’s?“ scheinen sie zu sagen. Oder: „Schau, was ich kann. Diese Kunststücke mache ich gerne für dich“. Oder: „Hier im Wasser ist es herrlich. Komm doch rein, schwimm mit mir!“
Dabei lassen ihre kleinen, munteren Augen nicht von ihrem Beobachter ab. Wie glücklich sie dabei aussehen. Ja, glücklich seien sie. Durch und durch. Und Glück würden sie den Schiffsbesatzungen bringen, denen sie begegnen. Eine glückliche Schiffsreise all denen garantieren, deren Schiffe sie längere Zeit begleiten. Leibhaftige, lebendige Glücksbringer seien sie. „Hab keine Angst, deine Reise wird gut!“ rufen sie nach oben. „Wir sind dabei. Passen auf dich und dein Schiff auf. Wir begleiten dich hinaus auf den großen Ozean. Wir nehmen dich mit in das endlos erscheinende Blau!“ Und bereitwillig und voller Vertrauen folgen ihnen die Segler…
Kein Wunder. Seien sie doch mit den Seglern auf großer Fahrt seelenverwandt. Frei und ungebunden schwimmen sie in allen Weltmeeren wohin auch immer sie wollen. Grenzenlos oder bewusst Grenzen überschreitend. Ausland gibt es nicht. Die ganze Welt ist ihre Heimat. Überall sind sie zuhause und überall verschenken sie ihre Freundlichkeit, ihre Zufriedenheit, teilen ihr Glück. Ausland gibt es nicht und Ausländer noch viel weniger. Sie kennen kein Mein gegen Dein, kein Unseres gegen Eures. Alles und alle gehören zusammen, sind Teil dieser einen Welt!
Und vorne am Bug des Schiffes liegend, die Hand nach unten zu ihnen ausgestreckt, in ihre kleinen Augen blickend, soll dann ihr Wissen, ihr Fühlen, ihr Sein für jeden spürbar werden.
Ach, was soll ich sagen. Alles das, was über sie geschrieben steht, was über sie gesagt wird, es stimmt. Hundertprozentig!



