Wenn man mit dem Wohnmobil, zu Fuß mit dem Zelt, oder mit dem Fahrrad auf eine lange Reise geht, so bleibt es nicht aus, dass man Wohnmobil- oder Campingplätze aufsucht und dort auch die entsprechenden Waschräume nutzt. Wenn man mit dem eigenen Schiff unterwegs ist, ist das nicht viel anders. Freilich haben wir auf der Colette ein WC und eine Dusche, aber dort ist es zum einen eng und zum anderen möchte man in Häfen und Marinas gerne die eigene Ausstattung schonen. Schließlich ist ja auch in aller Regel in den Kosten für den Liegeplatz auch der Preis für die Nutzung der Waschräume enthalten.
Nach sechs Monaten auf Tour blieb es also nicht aus, dass wir mittlerweile eine einigermaßen umfangreiche Erfahrung mit Marinas und ihren Waschräumen von Schweden bis Italien bekommen haben. Wer jetzt erwartet, dass ich nun über Sauberkeit, Zuverlässigkeit und Funktionsweise von Klos und Duschen berichte und vielleicht sogar eine länderabhängige Rangfolge aufstellen werde, der irrt. Über Sauberkeit und Zuverlässigkeit von WCs und Duschen könnte ich in der Tat viel schreiben und es mag sein, dass es in Bezug auf diese beiden Eigenschaften auch eine gewisse Tendenz zu einem Nord-Südgefälle gibt, aber das will ich dahingestellt lassen. Toiletten ohne Klopapier gibt es überall, zur Verstopfung neigende auch und bei den Duschen kann man in Schweden oder Dänemark genauso zum Kaltduscher werden wie in Deutschland, Frankreich oder Portugal. Und wer sich ohne Badeschlappen unter die Dusche stellt, der hat hinterher ganz sicher und völlig unabhängig, in welchem Land er das tut, Fußpilz.
Nein, was ich heute beschreiben möchte, sind Erfahrungen, die ich komplett nationenunabhängig in Männerduschen gemacht habe. Und zwar ausschließlich in Männerduschen. Wobei ich zugeben muss, dass meine Erfahrungen in Frauenduschen sehr begrenzt sind und ich mich hierbei auf die zuverlässigen Beschreibungen von duschenden Frauen verlasse. Ob in Schweden, Dänemark, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Spanien – einschließlich den Balearen, Portugal und Italien, ob die Männer, die da unter der Dusche standen, nun diesen Nationen angehörten oder Engländer, Polen, Amerikaner, Österreicher oder Neuseeländer waren – die Liste ließe sich hier sicherlich beliebig fortsetzen – überall, und mit duschenden männlichen Vertretern aller Nationen, war es die gleiche Beobachtung, das gleiche Phänomen.
Ich will aber gleich vorausschicken, dass es nicht alle Duscher tun. Und selbstverständlich kann ich auch keine Prozentangaben machen, wie viele von der Gesamtzahl aller männlichen Duscher es tun, da ich mich dieser Beobachtung bisher nicht mit wissenschaftlichen Methoden genähert habe. Ich kann also auch nicht sagen, wie sich das Verhältnis derer, die es tun, in Warmduscher und Kaltduscher aufteilt. Was ich aber definitiv sagen kann ist, dass Vertreter von beiden Gruppen darunter sind. Ich glaube auch, dass sich dieses Phänomen durch alle Gesellschaftsschichten zieht und ich glaube auch, dass sich diese Beobachtung nicht nur auf Vertreter des Wassersports beschränkt. Ich meine mich erinnern zu können, dass ich ähnliche Erfahrungen auch auf Campingplätzen und in Waschräumen von Berghütten gemacht habe.
Was aber all diese Beobachtungen vielleicht eint, ist eine leichte Tendenz zu älteren, etwas beleibteren Männern. Aber das ist nur eine Vermutung, sozusagen ein Bauchgefühl.
Wie soll ich es nun beschreiben. Ich könnte es mir leicht machen und sagen: geht unter die Duschen und hört selbst! Aber das wäre unfair. Denn zumindest für Leserinnen ist es nicht so ganz einfach, dieser Aufforderung Folge zu leisten.
Also will ich es versuchen, auch wenn es nicht einfach ist und ich den richtigen Ton kaum treffen werde: Es ist ein Grunzen, Stöhnen, Schmatzen, Schnauben, Prusten. Es sind Äh´s und Oh´s. Manchmal klingen die Laute eher leise, zurückhaltend, fast weinerlich, aber das ist die Ausnahme. Manchmal klingen sie auch angestrengt. Aber allermeist wird das Grunzen und Prusten laut, kräftig, nuancenreich und voller Inbrunst, voller Leidenschaft und mit großem Selbstvertrauen vorgetragen!
Es tut mir leid, besser kann ich die Lautduscher nicht beschreiben.
Ich weiß es nicht, aber ich denke, es muss etwas Archaisches sein. Etwas Grundsätzliches, etwas Befreiendes, was tief in diesen Männern sitzt und mit dem auf sie herabströmenden Wasser aus ihnen herausbricht, ihnen Zufriedenheit gibt. Das Duschwasser kann dabei kalt sein oder fast kochend heiß dampfen. Das wohlige oder schaurige Grunzen ist davon unbenommen. Und das Prusten endet auch nicht gleich mit dem versiegenden Wasserstrahl. Es hallt noch nach und in Einzelfällen prusten, stöhnen und schnauben Lautduscher selbst noch beim Abtrocknen. Dann habe ich manchmal allerdings den Eindruck, dass es mehr nach Schwerstarbeit klingt als nach großer Zufriedenheit.
Ich selbst gehöre ganz eindeutig der Gruppe der Leiseduscher an. Still und in mich gekehrt stehe ich in der Duschkabine unter dem rieselnden Wasser meiner wohltemperierten Dusche und verfolge gespannt den befreienden Vorträgen der Lautduscher in den Kabinen rechts und links neben mir. Und ganz ehrlich, ein bisschen neidisch werde ich dann schon.
Dann kann es passieren, dass ich abwarte, bis ich den Waschraum ganz für mich allein habe und fange dann an zu schnauben und zu grunzen.