Bei bedecktem Himmel und Windstille verlassen wir Primošten. Wir müssen motoren. Nur kurz, da unser Ziel heute die nur ca. sieben Seemeilen entfernte Halbinsel Oštrica ist. Wir ankern in der Bucht Mirine, denn von hier aus hat man einen guten Blick auf die Mauer von Grebaštica, oder „Chinesische Mauer“, wie sie von den Einheimischen auch gerne bezeichnet wird.










Die beeindruckende Mauer von Grebaštica zieht sich 300 Meter quer über die Halbinsel Oštrica und ist heute noch eine der am besten erhaltenen aus dem Mittelalter. Erbaut wurde die bis zu zehn Meter hohe und einen Meter dicke Mauer in nur zwei Jahren von 1497 bis 1499, um die Landbevölkerung mitsamt ihrem Vieh vor türkischen Angriffen zu schützen. Dabei halfen die Zinnen und Löcher in der Mauer, durch die heiße Flüssigkeit auf die Aggressoren geschüttet werden konnte. 1499, als die feindlichen Angreifer mit 3.000 Mann aus dem Hinterland anrückten, widerstand sie mit der Hilfe von vier Schiffen aus Šibenik.













Später bekam die Mauer eine neue Aufgabe: im 17. Jahrhundert wurde sie als Isolierstation für Pestkranke genutzt und heute soll sie das Ausbreiten von Waldbrand auf die Halbinsel verhindern bzw. wenigstens erschweren. Und tatsächlich entwickelt sich hinter der Mauer eine dichte Macchia und Wald mit Kiefern und Eichen. Wir machen einen langen Spaziergang durch den jungen Wald, freuen uns an Eisvögeln am Ufer, Kolkraben über den Felsen, vielen Schmetterlingen am Wegrand und Mufflons, die es hier, wie uns die Mengen an Kot und vielen Fraßspuren an den Büschen verraten, zuhauf geben muss.
Die Windstille bleibt auch noch am Abend und in der Nacht. Der volle Mond spiegelt sich im glatten Wasser und die Bucht erinnert eher an einen See als ans Meer. Vom Land her hören wir das Blöken von Schafen und plötzlich, zuerst aus weiter Ferne und dann aber auch ganz nah, das Heulen von Schakalen! Der eurasische Goldschakal ist ja seit Jahren auf dem Vormarsch und breitet sich, aus dem Osten kommend, immer weiter nach Zentraleuropa aus. In Kroatien ist er schon längst in großer Zahl heimisch.














Dienstag, 11. Oktober. An meinem Geburtstag gibt es Wind! Noch am Anker hängend setzen wir Segel, ziehen den Anker hoch und legen ohne Motor ab. Schnell bläht der zunehmende Westwind unsere Segel und Colette fährt zuerst langsam, dann mit zunehmender Geschwindigkeit aus der Bucht. Der Wind ist gut, der Westwind kommt allerdings aus der falschen Richtung, uns entgegen. Wir wollen aber an unserem heutigen Ziel Kaprije festhalten, denn für die nächsten Tage ist ruhiges, warmes Spätsommerwetter angekündigt, ideal also, um in der Bucht von Kaprije zu ankern, dort zu baden und auf Kaprije wandern zu gehen. Das heißt, wir müssen heute mächtig gegen den Wind ankreuzen. Die mittlere Windgeschwindigkeit pendelt sich auf 17 Knoten ein, aber zwischen den Inseln schwillt der Westwind durch Düsen- und Kapeffekte immer wieder auf weit über 20 Knoten an. Colette legt sich hart am Wind auf die Seite und rauscht mit über sechs Knoten durch die kleinen, kabbeligen Wellen. So macht Segeln Spaß. Aber es ist auch anstrengend. Kein Segeln mit Rückenwind für alte Herren über 61! Bis wir am Abend in Kaprije ankommen, haben wir für die 11 Seemeilen direkte Kurslinie in fünf Stunden über 18 Seemeilen und 12 Wenden hinter uns gebracht, sind die meiste Zeit mit einer Schräglage von 20 bis 25 Grad gefahren und hatten als Spitzengeschwindigkeit 6,8 Knoten. Sehr zufrieden genießen wir am Abend ein gutes Geburtstagsessen aus unserer Bordküche: Tintenfischsalat mit Bratkartoffeln und einem vorzüglichen Schluck Rotwein dazu.
Das sportliche Segeln zeigt noch zwei Tage lang seine Folgen. Ich habe Muskelkater vom kräftigen Ziehen an den Leinen und Kurbeln an den Winschen. Also nächstes Mal doch lieber Altherrensegeln?








Das versprochene Spätsommerwetter stellt sich ein und wir wandern auf Kaprije auf bekannten und unbekannten Wegen. Die Farbenpracht ist überwältigend, vor allem Früchte leuchten aus den teils schon vertrockneten Büschen hervor. Aber auch einzelne Blüten sind hier und dort noch zu entdecken.




















Auch die Früchte der vielen Erdbeerbäume werden reif. Die Farbe der Früchte wechselt von gelb zuerst in ein helles, dann in ein dunkles Rot. Jetzt sehen sie ein bisschen wie kleine Erdbeeren aus und sind genau richtig zum Essen. Wie sie schmecken? Süß, fruchtig, nicht nach Erdbeeren – aber eben wie die Früchte des Erdbeerbaumes. Gut! Wir sammeln Erdbeerbaumfrüchte für das Müsli und weil es so viele gibt, probieren wir ein Glas Erdbeerbaummarmelade einzukochen. Der Prototyp klappt bestens, jetzt müssen wir nur noch Zucker kaufen, um in die Produktion einsteigen zu können.










Die Insel hat aber noch mehr zu bieten: die Oliven werden reif. Wir sammeln einen Becher voll blaue und blaugrüne Oliven von den halbwilden Olivenbäumen, um sie einzulegen. Wie uns das Internet verrät, ist das nun aber ein etwas langwieriger Prozess. Die Oliven müssen etwa zehn Tage lang gewässert werden, um die starken Bitterstoffe aus den Oliven auszuwaschen. Am besten sei es, jede Olive zuvor einzustechen. Also stechen und wässern wir und wechseln täglich das Wasser. Erst danach werden die Oliven für weitere vier Wochen in Salzlake eingelegt, bis sie schließlich essbar sind. Zur dauerhaften Konservierung können sie dann in Salzwasser oder Öl eingelagert und mit Gewürzen je nach Gusto verfeinert werden.
Außer uns pflücken auch Frauen aus dem Dorf die kleinen Oliven. Als wir fragen, was sie damit machen, erfahren wir, dass sie daraus in der örtlichen Ölmühle ihr eigenes Olivenöl pressen. Zum Essen seien diese kleinen, halbwilden Oliven nicht so gut, zumal sie dieses Jahr wegen Trockenheit sowieso nicht so groß sind. Dafür würden sie die großen, tiefblauen Oliven, wie wir sie in ihren Gärten bestaunen konnten, verwenden. Die Oliven müssten dazu vollreif geerntet und anschließend nur getrocknet werden. Danach seien sie nicht mehr bitter und gut genießbar. Ob also unsere Oliven zum Essen die richtigen sind? Wir sind gespannt und werden berichten.








Erdbeerbaumfrüchte und Oliven sind aber bei weitem nicht alles. Herbst und Winter stehen vor der Türe und damit steigt das Risiko, Erkältungen, Husten und Schnupfen zu bekommen. Die Inhaltsstoffe der Kiefernnadeln, als Tee oder zum Inhalieren, sollen helfen. Die langen, frischen, hellgrünen Nadeln der Aleppo-Kiefern scheinen uns dazu bestens geeignet und auch auf Informationstafeln wird beschrieben, dass sie schon seit jeher als Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten verwendet wurden. Wir sammeln. Im Nu haben wir eine große Menge Nadeln beisammen, schneiden sie klein und trocknen sie im Cockpit. Wie würzig und gesund sie jetzt schon riechen – gut gewappnet blicken wir der Erkältungssaison entgegen.




Wer denkt, mit all diesem Sammeln und Einmachen hätten wir jetzt genug zu tun, der irrt. Friederike entdeckt zwischen den Kalkfelsen am Ufer junge Triebe des Meerfenchels. Die kühleren Temperaturen und vielleicht auch der Regen der letzten Wochen lässt ihn nochmals austreiben. Für uns heißt das: Sammeln! Allerdings geht das bei weitem nicht so schnell wie bei Erdbeerbaum, Oliven oder Kiefernnadeln. Die Pflänzchen verbergen sich oft zwischen Felsspalten und es sind nur wenige zarte Blätter, die sich eignen. Für was? Als hervorragendes Gewürz für Salate, Fischgerichte oder zu Bratkartoffeln, wie wir es in einer Konoba in den Kornaten kennen gelernt hatten. Und auch als Antiagingcreme ist die Pflanze mittlerweile entdeckt worden. Das Sammeln ist langwierig, das haltbar machen dagegen einfach. Die Blättchen werden kurz aufgekocht und in Essigwasser eingeweckt. Und schon haben wir den Sommer von Kaprije im Gläschen. Und kurz darauf auch in einem Gläschen im kleinen Laden von Kaprije entdeckt…






Ach, und um schließlich alle im herbstlichen Deutschland vollends neidisch zu machen, wir haben um unsere Colette immer noch 21 Grad warmes, kristallklares, türkisblaues Wasser und gehen jeden Tag schwimmen!


Lieber Herr Schlund, nach langer Zeit habe ich mal wieder bei Euch vorbei geschaut und freue mich über die wunderschönen Bilder.
Sibenik und Kaprije kenne ich gut, auf Kabrije habe ich 2 Wochen Urlaub verbracht aber leider nicht mit so schönen Eindrücke.
Ich wünsche weiterhin super Erlebnisse und bestes Wetter!!
Werde weiterhin vorbeischauen bis ich dann nächstes Jahr in Rente bin :-)……..
Liebe Grüße Petra Pohlmann und immer eine Handbreit Wasser unter ihrem Kiel!