Montenegro – dieses Mal nur ein Zwischenstopp

01.06. – 07.06.2026

Drei Jahre und einen Monat ist es her, seit wir das letzte Mal in Montenegro waren. Das kann mir der Hafenmeister beim Einklarieren in Zelenika ganz genau sagen, denn unsere Colette ist mit all ihren Daten im montenegrinischen System gespeichert. Auch die Crewliste hat er im Computer. „Ah, dieses Mal nicht mit Frau?“, will er wissen, nachdem ich ihm die aktuelle Crewliste vorlege. Nein, dieses Mal begleitet mich Thomas, der am Sonntagnachmittag in Cavtat/Dubrovnik gelandet und zu mir auf die Colette gekommen ist. Das Ausklarieren in Cavtat aus der EU ging reibungslos (wenn wir auch auf die Beamtin der Grenzpolizei etwas warten mussten) und genauso reibungslos klappt das Einklarieren im kleinen Hafen von Zelenika.

Eine knappe Seemeile vom Q-Kai weg ankern wir in der Bucht zwischen Zelenika und Herzeg Novi. Da wollen wir auch einen Tag und eine weitere Nacht bleiben. Wir machen einen langen Spaziergang hinauf zum Kloster und Friedhof von Herzeg Novi und weiter zur sehenswerten Altstadt: hübsch gerichtet, wenige Touristen, beschäftigte Menschen, Schüler, das normale Leben eben. So gefällt uns Montenegro sehr gut.

Dass Montenegro auch anders kann, sehen wir am nächsten Tag, als wir durch die große, fjordähnliche Bucht bis vor die Tore von Kotor fahren. Vier große Kreuzfahrtschiffe liegen vor der historischen Altstadt, die wir hinter den Riesenschiffen kaum entdecken können. Viele kleine Boote pendeln zwischen den Kreuzfahrschiffen und Kotor hin und her, um tausende von Menschen in die Stadt zu bringen.

Wir wollen in die Marina von Kotor, bekommen aber keinen Platz mehr. Vor der Stadt ist seit diesem Jahr das Ankern verboten und Bojenfelder gibt es nicht. Also fahren wir die lange Bucht wieder zurück nach Norden. Und das ist auch gut so: Der vorhergesagte Südwind wird zum lebhaften, stürmischen Nordwind, so dass es uns ratsam erscheint, in der nordwestlichen Ecke der Bucht zu ankern. Was für eine gute Entscheidung. Denn kaum hat sich unser Anker in 14 Meter Tiefe im Schlamm eingegraben, beginnt es zu regnen und eine große Gewitterfront zieht über Herzeg Novi, Tivat und Kotor hinweg. Nur bei uns, in der Bucht von Morinj, bleiben Blitz und Donner verhalten. Trotz naher Straße, Regen und Gewitter haben wir eine ruhige Nacht.

Am Donnerstag geht es der Küste von Montenegro entlang weiter in den Süden. Der Wind ist sehr unbeständig und wir müssen viel motoren. Zu viel. Auf der Höhe von Budva beschließen wir, vor Budva zu ankern. Budva ist die wichtigste Tourismusdestination an der Adriaküste Montenegros und fest in der Hand der Tourismusspaßgesellschaft. Wir müssen die weitläufige Bucht mit vielen Motorbooten, Kajakfahrern, Jetskis und Menschen an Fallschirmen, die hinter Motorbooten hochgezogen werden, teilen. Rund um die Bucht werden wir von Restaurants und Diskos mit lauter Musik beschallt.

Wir setzen mit dem Dingi in die große Marina über und legen neben den Motoryachten der Schönen und Reichen an. Ein schönes Bild!

Budvas kleine Altstadt mit ihren engen Gassen, der Zitadelle mit einer beeindruckenden Bibliothek, ist schön, sehr voll und teuer. Budvas neue Stadt ist dagegen nicht schön, noch voller und genauso teuer. Überall wird gebaut. Direkt hinter dem Strand wachsen riesige Hotels, reine Bettenburgen, in die Höhe. Wer will hier seinen Urlaub verbringen?

Wir sitzen bei einem Bier neben der Flaniermeile vor den Yachten und staunen über Budvas Gäste. Menschen aus allen Ländern des Balkans scheinen hier Urlaub zu machen, aber auch viele Polen, Finnen, Franzosen, Amerikaner und Deutsche. Ein friedliches, manchmal lautes und schrilles Durcheinander. Und für die allermeisten scheint Geld – wenigstens hier in ihrem Urlaub – keine Rolle zu spielen.

Die Fahrt von Budva weiter nach Süden in Richtung Bar ist dann für Naturliebhaber und Naturschützer ein Alptraum. Beinahe in jeder schönen Bucht wird gebaut. Riesige Hotelkomplexe entstehen vor kleinen Sandstränden, oft in die enge Fläche hinter den Buchten gepresst oder rücksichtslos in den Fels gesprengt. Massen von Menschen werden und sollen in den nächsten Jahren kommen. Es wird laut werden, schmutzig und übervoll. Und wer gewinnt dabei? Ein paar Investoren werden reich werden. Aber Montenegro tut sich damit keinen Gefallen. Es verliert die Natur seiner wunderschönen Adriaküste.

In Bar führt uns der erste Weg zur Tankstelle. Diesel und Benzin sind in Montenegro deutlich günstiger als in Italien und da will ich ja in den nächsten Tagen hin. Dann bekommen wir einen guten Platz in der Marina. Ich bezahle für zwei Tage, denn schon für den Sonntag, 07. Juni, sagt der Wetterbericht guten Wind für die Passage nach Brindisi voraus. Danach soll es beinahe die ganze Woche schwache und drehende Winde haben, bevor es dann zum nächsten Wochenende stürmischer werden soll. Helga und Leo kommen am 15. Juni in Brindisi an. Somit hätte ich eigentlich noch reichlich Zeit. Aber ich will auf Nummer sicher gehen und eine gute Solo-Überfahrt haben.

Thomas bleibt noch eine weitere Woche in Montenegro. Am Sonntag kommt seine Frau Simone mit dem Flugzeug in Podgorica an und gemeinsam wollen sie dann einen Nationalpark besuchen. Gerne wäre ich dabei gewesen, aber der Wind hat eben andere Pläne…

Am Samstagvormittag machen wir noch einen Ausflug in die mittelalterliche Stadt Bar, einer Festung mit Herrschersitz, Kirchen und Platz für die Bauern der Umgebung in kriegerischen Zeiten. Das alte Bar liegt etwas im Landesinnern an einem Bach, eng in die steilen Berge geschmiegt. Beeindruckend.


Am Samstagnachmittag kommen Thomas W. und Annette nach Bar. Sie wohnen schon seit Jahren in den Bergen nahe bei Podgorica – wir waren ja vor drei Jahren ihre Gäste – um Thomas abzuholen. Was für ein schönes Wiedersehen!

Und dann bin ich mal wieder alleine. Danke Thomas für die schöne gemeinsame Woche! Vielleicht klappt es mal wieder, dass wir gemeinsam unterwegs sein können. Dann vielleicht auch etwas länger.

So, und jetzt bereite ich mich auf die 25-Stunden Überfahrt vor. Wettervorhersage prüfen, Strecke mit Zielpunkten abstecken, auf Deck alles gut festzurren, Motor checken…

Morgen Vormittag muss ich noch ausklarieren und dann geht es los…

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Thomas

    Danke für die schöne Woche und weiterhin viel Freude bei der großen Fahrt

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