Pula

20. – 26. April

Diese Woche ist eigentlich schnell erzählt. Am Montag haben wir nochmals perfekten Segelwind. Wir umrunden das Inselarchipel Brijun. Einst der Sommersitz von Tito. Hier hat er gerne die Staatsoberhäupter anderer Länder empfangen, die ihm als Gastgeschenk exotische Tiere für „seine Insel“ mitbrachten. Heute ist das Archipel Nationalpark. Ein Nationalpark der anderen Art: Einige der „exotischen Gastgeschenke“ sollen noch leben oder haben Nachkommen und sind nun Teil des Nationalparks. Ebenso die feudalen Gebäude Titos und ein Golfplatz. Eben ein Nationalpark der besonderen Art!

Colette saust bei 12 Knoten Wind im Am-Wind-Kurs mit angenehmer Leichtigkeit durchs Wasser. Genua und Groß lassen sich so gut trimmen, dass sie sich selbst lenkt.

Unser abendliches Ziel ist dann die große Bucht vor Pula. Hier gehen wir vor Anker und Colette und ich werden hier warten, bis am nächsten Sonntag Friederike und Jürgen kommen. Petra wird am darauffolgenden Freitag in Triest zusteigen. Unser gemeinsames Ziel ist dann Venedig.

Jetzt sind wir aber erst einmal in Pula. Ute und Charles müssen am Donnerstagmorgen zu ihrem Bus (Ute) bzw. zum Flughafen (Charles). Also bleiben uns Dienstag und Mittwoch zum Stadtbummel. Zuerst zum Markt. Der ist in Pula ein Erlebnis: In der alten Markthalle gibt es Fisch, Fleisch, Wurst und Milchprodukte – also Ware, die es kalt braucht – und vor der Halle, unter den gerade blühenden Kastanien, ziehen sich die Stände mit Obst, Gemüse, Olivenöl, Trüffel… Da sind die Vorräte auf der Colette wieder bestens aufgefüllt.

Noch ist Vorsaison. Deshalb sind in den Gassen von Pula kaum Touristen unterwegs. Dafür gehört jetzt die Stadt den Schulklassen. Grundschulklassen ebenso wie Klassen der Oberstufe werden durch Pula geführt und die Schülerinnen und Schüler bekommen von ihren Lehrerinnen und Lehrern die Geschichte Pulas erklärt: Die Illyrer haben die Stadt wohl gegründet. Dann kamen die Römer, die die Stadt an der Südspitze Istriens geliebt haben sollen. Über das lange Mittelalter war Pula im Besitz des mächtigen Venedigs. Danach wurde Pula Teil des Österreich-Ungarischen Kaiserreichs bevor Istrien und somit auch Pula nach dem Ersten Weltkrieg Italienisch und nach dem Zweiten Weltkrieg Jugoslawisch und danach schließlich Kroatisch wurde. Alle, die einstmals hier geherrscht haben, haben ihre Spuren hinterlassen. Viel Militärisches, etwas Kultur, ein wenig Sprache und Lebensgefühl. Eine interessante Mischung.

Eine Abiturientenklasse aus Frankreich interessiert sich anscheinend weniger für die Geschichte als für einen Straßensänger. Der sicherlich über 60jährige Gitarrist spielt Stücke von Bob Dylan, Cat Stevens, Billy Joel und anderen, zu denen seine rauchige und doch weiche Stimme passen. Die Schulklasse umringt ihn und die Schülerinnen und Schüler klatschen rhythmisch mit. Schließlich darf ein Schüler die Gitarre und das Headset übernehmen. Jetzt ist die Session perfekt! Was für eine schöne Stimmung in den Gassen der alten Stadt!

In Pula ist natürlich die Besichtigung des Kolosseums Pflicht. Es soll eines der größten sein – manche behaupten das größte – das die Römer gebaut haben. Ute und Charles machen diese Stadtbesichtigung ohne mich. Ich kuriere nochmals einen Tag lang meine Bronchitis aus. Der Husten ist hartnäckig.

An einem Abend gehen wir Essen. Sozusagen zum Abschluss einer schönen Segelwoche. Danke, Ute und Charles, für die nette Begleitung!

Colette ankert in der großen Bucht von Pula (rechts hinten im Bild)

Die restlichen Tage nutze ich zum Wäsche waschen, Aufräumen, Putzen, Nichtstun… So, jetzt können die neuen Gäste kommen.

Und sie kommen. Gegen 16.30 Uhr stehen sie wartend an der Kaimauer. Das kleine Auto ist bis unters Dach mit guten Dingen für die Colette gefüllt. Unter anderem neue Matratzen für die Heckkabine und das Skipperbett. Die neuen Matratzen für die Bugkabine kommen beim nächsten Mal mit…

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