Regenzeit

Ende November, Anfang Dezember scheint in Dalmatien, wenigstens um die Insel Iž, Regenzeit zu sein. Die Temperaturen sind mit 10 bis 15 Grad erträglich, aber es regnet fast jeden Tag. Nicht den ganzen Tag, es gibt immer wieder Regenpausen, trotzdem ist alles nass und es ist nicht daran zu denken, an Deck irgendetwas zu streichen. Also machen wir Anderes.

So gehen wir zum Beispiel am Sonntagnachmittag nach Zadar auf den Weihnachtsmarkt. Das ist natürlich ein kleines Abenteuer, da Zadar ja nicht schnell und eben mal fußläufig zu erreichen ist. Wir eilen gegen 14.40 Uhr von unserem Hafenplatz auf die andere Seite des Hafenbeckens zur Fähranlegestelle. Wir eilen deshalb, weil heute, am entspannten Sonntagnachmittag, die Fähre Anamarija etwas früher als sonst um die äußere Mole biegt. Wir rennen. Wie unnötig: zum einen sieht uns die Crew (und noch einige andere Passagiere) kommen und würde warten, zum anderen legt sie auch nicht vor 14.55 Uhr ab, genau wie es im Fahrplan steht. Mit knapp 13 Knoten fährt sie dann über Mail Iž eineinviertel Stunden nach Zadar. Wir genießen die Fahrt an Deck. Die schräg einfallenden Sonnenstrahlen tauchen die mächtigen Regenwolken über dem Festland in kaltes Stahlgrau. Die nächste Regenfront kündigt sich an.

Zadar ist weihnachtlich geschmückt. Sternenbögen über den Gassen, Sternchen, Glitzer und Lichter in den Schaufenstern und auf dem Marktplatz steht eine riesige Fichte, festlich herausgeputzt mit großen roten Kugeln, goldenen Schleifen und der obligatorischen Lichterkette. Wir schlendern weiter zum Weihnachtsmarkt, wo uns der Duft nach Glühwein, Grillwurst, Zimt und Anis entgegenschlägt. Weihnachtslieder, leider zumeist als billige Schlager misshandelt, dröhnen aus Lautsprechern und fast in jeder Bude hängt ein großer Bildschirm, in dem gerade das Spiel Frankreich gegen Polen der Fußballweltmeisterschaft übertragen wird. Das ist weniger weihnachtlich, scheint aber die kroatischen Weihnachtsmarktbesucher nicht weiter zu stören. Wer auf dem Weihnachtsmarkt in Zadar regionale Spezialitäten, Handwerkskunst, oder Weihnachtsschmuck kaufen möchte, wird hier vergeblich danach suchen. Der Weihnachtsmarkt besteht ausschließlich aus „Fressbuden“. Wir bestellen uns einen Glüh-Gin als Aperitif und danach einen Christmasburger, einen spicy Hotdog und Pommes frites mit Trüffelmayonnaise zu einem Weihnachtsbier der lokalen Brauerei. Als Nachtisch gibt es Fritule, kleine, frittierte Hefeteigbällchen, ähnlich kleinen Berlinern.

Wir bleiben nicht all zu lange. Der Bummel durch das nächtliche Zadar mit seiner zurückhaltenden Weihnachtsdekoration gefällt uns besser als der Weihnachtsmarkt. Und um 20.00 Uhr müssen wir auch wieder am Fähranleger stehen: letzte Fahrt nach Veli Iž, diese Fähre sollten wir nicht verpassen.

Da es auf dem Weihnachtsmarkt in Zadar keine regionalen Spezialitäten gab, müssen wir die selbst machen. Wir ziehen los und sammeln Erdbeerbaumfrüchte und in Ute´s „Seelengarten“ Myrten. Die angekündigte Regenpause reicht dazu nicht ganz aus. Wir werden ziemlich nass. Lucky kann den Sinn dieser nassen Tätigkeit nicht nachvollziehen. Er dreht uns den Rücken zu und sitzt stoisch im Regen, bis wir endlich unsere Eimerchen voll haben. Bei einem Glas Aperol Spritz im gemütlich eingeheizten Häuslein von Ute wärmen wir uns auf, bevor es zurück geht.

Auch an Bord kann Lucky unserer Betriebsamkeit keinen Mehrwert abgewinnen. Mit in Raki eingelegten Myrten, aus denen in frühestens drei Monaten Myrtenlikör werden wird, mit Myrtenmarmelade und Erdbeerbaumfruchtmarmelade (was für ein Wort!) weiß er nichts anzufangen.

Ute besucht uns zum Abendessen an Bord. Ein guter Anlass für uns, unsere im Oktober auf Kaprije in Salzwasser und Gewürzen eingelegten Oliven zu probieren. Wir sind sehr angetan. Sowohl von Ute und ihrem Besuch als auch von unseren Oliven. Wir beschließen zwei Dinge für die nächsten Tage: noch einmal Oliven zu pflücken, um sie in Salzwasser ansetzen zu können, und einen Besuch bei Ute, um mit ihr zu ihrem „Meerland“ zu gehen.

Bei der kleinen Olivenernte werden wir wieder regennass. Dafür ist die Ausbeute reichlich.

Beim Spaziergang zu Ute´s Grundstück mit Oliven, Erdbeerbäumen (deren Früchte Lucky mittlerweile zu schätzen gelernt hat) und Kiefern direkt am Meer verschonen uns die dicken Regenwolken bis in den Abend hinein. Wir schlendern schwatzend am felsigen Ufer entlang, genießen Steinformationen und wechselnde Felsenfarben, das klare, wintergraue Meer, den würzigen Duft nach Salzwasser und Macchia. Der dalmatinische Winter mit seinen melancholischen Regentagen gepaart mit der entspannten Langsamkeit des Insellebens ist wunderschön!

Und als wir bei Dunkelheit wieder in den gemütlichen Salon unserer Colette zurückkehren, stört es uns auch nicht, dass jetzt wieder heftiger Regen auf unser Deck prasselt. Regenzeit in Dalmatien.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Thomas

    Lieb Grüße, das klingt sehr entspannt und lecker. Hier schneit es grade.

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