
Im Jahr 2016 kauften wir unsere Colette bei Rheinau (unweit von Achern bzw. nördlich von Straßburg) und führten im dortigen Rheinhafen unser erstes Refit durch. Während dieser Zeit war unser hochseetaugliches Segelschiff weit weg vom Meer mitten im Binnenland. Trotzdem waren wir im Sommer 2017 mit unserer Colette auf der sogenannten Sauerkrauttour unterwegs.
2019 brachten wir unsere Colette über den Rhein und verschiedene Kanäle nach Lübeck.
Von 2019 bis 2021 lernten wir auf der Ostsee mit unserer Colette das Segeln. Auf verschiedenen Törns durften wir viele spannende und gute, allerdings auch so manche schmerzliche Erfahrung sammeln.
Alle Touren vor 2021 und alle unsere Erlebnisse sind in dem Buch „Countdown zu einer Weltumseglung“ eingearbeitet und die jeweiligen Originaltexte mit vielen Bildern im Archiv des Blogs abgelegt.
Ab 2021 ging es drei Jahre lang auf Langfahrt. In dieser Zeit erschien wöchentlich ein Blogbeitrag, der über unsere Fahrt berichtete. Alle Blogbeiträge sind mit ihren Originaltexten und vielen Bildern ebenfalls im Archiv abgelegt. Außerdem werden Teile der Blogtexte zusammen mit den Beiträgen der Gedankensplitter in drei Büchern (pro Fahrtenjahr eines) in nächster Zeit veröffentlicht werden.
Im Nachfolgenden sind kurze Zusammenfassungen aller bisherigen Touren aufgelistet. Ein Klick auf die Überschrift ist verlinkt auf die Originaltexte im Archiv.
Touren vor 2021:
Im Sommer 2017 waren wir drei Wochen auf Rhein, Mosel und französischen Kanälen unterwegs. Die Route führte uns rheinabwärts von Rheinau bis Koblenz. Dann moselaufwärts von Koblenz bis Nancy, von dort über den Rhein-Marne-Kanal nach Straßburg und schließlich rheinabwärts von Straßburg bis Rheinau. Für diese Tour blieb der Mast selbstverständlich in der Werft, denn viele Brücken sind auf dieser Strecke weniger als vier Meter hoch.
Wir lernten auf dieser Strecke, uns mit den großen Frachtern zu arrangieren und gegenüber den aufdringlichen Passagierschiffen zu behaupten. Wir waren begeistert von dem schnellfließenden Rhein, den steilen Hängen und engen Schleifen der Mosel und den beeindruckenden Bauwerken in Frankreichs Kanälen. Und selbstverständlich genossen wir die kulinarische Vielfalt in Lothringen und im Elsass.
Wir legten insgesamt 850 Kilometer zurück, fuhren durch 87 Schleusen, durchquerten Berge in Tunnels und wurden auf dem berühmten Schiffshebewerk bei Arzviller 45 Meter in die Tiefe befördert. In den drei Wochen lief unser Motor 111 Stunden und verbrauchte dabei etwa 450 Liter Diesel.
Im April 2019 verlegten wir unsere Colette von Rheinau nach Lübeck. An einem kalten Spätwintertag brachen wir auf, durchquerten Deutschland vom Schwarzwald über das Ruhrgebiet und die norddeutsche Tiefebene und begleiteten dabei den Frühling, wie er Tag für Tag vom Süden kommend weiter in den Norden vorrückte.
Wieder führte uns die Route zuerst rheinabwärts. Dieses Mal aber weit über Koblenz hinaus bis Duisburg. Von dort ging es über den Rhein-Herne-Kanal bis Herne und weiter über den Dortmund-Ems-Kanal bis Bergeshövede. Auf dem Mittellandkanal fuhren wir bis Calberlah und von dort auf dem Elbe-Seitenkanal bis Lauenburg und schließlich über den Elbe-Lübeck-Kanal bis Lübeck. Was für eine aufregende Fahrt quer durch Deutschland! An 13 Fahrtagen bewältigten wir 940 km.
Ab Lübeck stand uns nun die ganze Welt offen. Aber zuerst sollte die Ostsee unser Übungsrevier werden. Hier wollten wir unser Schiff kennenlernen, Wollten lernen, wie sich unsere Colette segeln lässt und wollten gleichzeitig unser Können verbessern. Der erste Törn führte uns im Juni 2019 von Lübeck nach Fehmarn, dann über Puttgarden nach Langeland und weiter in die Flensburger Förde bis nach Flensburg. Von dort ging es wieder über Fehmarn zurück nach Lübeck.
Die ersten Tage waren wir noch sehr unsicher. Alles war für uns neu. Vom Anlegen an Dalben über Nebelfahrten bis zu dem kräftigen Wind und den kurzen, unangenehmen Wellen der Ostsee. Ach, und die ersten dunklen Vorahnungen über den Zustand unseres alten Motors taten sich auf.
Klar, die gesamten Sommerferien 2019 waren wir unterwegs. Von Lübeck segelten wir entlang der deutschen Küste nach Kühlungsborn. Querten über die Ostsee nach Gedser (Dänemark) und segelten weiter nach Klintholm. Von dort ging es zum schwedischen Skanör und schließlich nach Rönne auf Bornholm. Wir umrundeten Bornholm mit einem Abstecher nach Christiansö und Frederiksö. Von Bornholm ging es über Rügen (Lohme) und Hiddensee nach Warnemünde und über Kühlungsborn wieder zurück nach Lübeck. Das war unsere erste lange Tour, die es in sich hatte: Seepocken am Einlass des Kühlwassers ließen den Motor heiß werden, bei einem Gewitter mit heftigen Sturmböen blieb ein kleiner Riss in der Genua, eine Motorpratze ging zu Bruch, der Kühlschlauch platzte… Wir lernten zu improvisieren, wir lernten uns zu helfen! Wir lernten aber auch unser Schiff und das Schiffsleben zu lieben.
Für den Sommer 2020 hatten wir Großes geplant. Eine Ostseeumrundung! Aber zuerst war es die Coronapandemie und dann unser Motor, die uns einen Strich durch unsere Planung machten. Aufgrund der Pandemie verzögerte sich unsere Abfahrt. Wir kamen von Lübeck allerdings nur bis Stralsund: Ein Totalschaden unseres Motors zwang uns zu einem siebenwöchigen Aufenthalt in Barhöft. Ein neuer Motor musste eingebaut werden. Danach reichte uns der Sommer noch zu einer Testfahrt nach Bornholm und Utklippan (Schweden) und von dort wieder über die polnische Küste zurück nach Rügen, Stralsund und Barhöft.
Aus der großen Ostseerunde im Sommer wurde nun eine kleine Runde um Seeland (Dänemark) im Herbst. Wir segelten von Barhöft nach Klintholm (Dänemark) und weiter nach Skanör (Schweden). Durch den Öresund ging es nach Kopenhagen. Von dort über Helsingör ins Kattegat und weiter in den Samsö-Belt. Dann Richtung Süden in den Großen Belt und anschließend nach Langeland. Von Langeland segelten wir nach Aerö und weiter in die Schlei-Mündung nach Maasholm. Zurück führte die Tour über Fehmarn nach Lübeck.
Diese drei Wochen wurden zur perfekten Testfahrt für alle unsere neuen Geräte. Plotter, AIS, Radar, Windsteueranlage und selbstverständlich unser neuer Motor arbeiteten einwandfrei und wir konnten am Ende der Tour sicher damit umgehen. Unser Schiff und wir hatten zueinander gefunden. Jetzt konnte es auf große Fahrt gehen.
2021: Von Schweden bis Sardinien
Trotz Corona planten wir unsere große Fahrt. Im April hieß es schließlich Leinen los. Zuerst konnten wir coronabedingt nur in die schwedischen Schären fahren, da in allen anderen Ländern alle Marinas und Häfen für Freizeitsegler gesperrt worden waren. Die Monate April und Mai in den menschenleeren Schären wurden für uns zu einem tollen Erlebnis.
Eine Coronaimpfung und etwas Entspannung beim Lockdown in Frankreich, Spanien und Portugal ließ uns dann aber in Richtung Atlantik aufbrechen. Schon im Nord-Ostsee-Kanal lernten wir andere Schiffe mit gleichem Fahrziel kennen und ab Cuxhaven war klar: wir segeln in einer kleinen Flottille weiter. Das war für uns Nordsee- und Ärmelkanalneulinge genial, Bernd, Inge und Ralf waren für uns die besten Lehrmeister.
Eine freundliche Biskaya bescherte uns eine sehr positive erste Blauwassererfahrung. Dann begeisterten uns die Rías von Galizien und die Städte Porto und Lissabon. Die Orca-Attacke vor Cadiz hätten wir nicht gebraucht, aber dank unseres Stahlschiffes blieb nichts außer einem großen Schrecken.
Gibraltar, Costa del Sol, Balearen – das Mittelmeer zeigte sich zum Teil sehr launisch, aber immer wieder so vielfältig und herrlich schön.
Der Winter auf Sardinien wurde dann eine ganz eigene Geschichte.
2022: Sardinien, Sizilien, Malta, Kroatien
Im April verließen wir unseren Winterliegeplatz bei Alghero im Nordwesten Sardiniens und segelten um das nördliche Kap in den Nationalpark Maddalena-Archipel. Sowohl den Nationalpark als auch die Ostküste Sardiniens hatten wir in der Vorsaison fast für uns alleine. Dazu noch der sardische Frühling…traumhaft!
Auf der Überfahrt nach Sizilien trieb uns noch der kühle Mistral vor sich her, auf Sizilien, Malta, Süditalien bis Kroatien begleitete uns dann der heiße Mittelmeersommer. Valetta auf Malta war eine Wucht, aber mehr noch waren wir von Gozo begeistert. In Syrakus und Taormina an der Ostküste Siziliens trafen sich die Schönen und Reichen und ganz schön Reichen. Trotzdem würden wir dort sofort wieder hingehen. Dagegen präsentierte sich uns das südliche Süditalien beinahe menschleer, dafür schienen alle Italiener in Otranto, Brindisi oder Bari Urlaub zu machen.
In Kroatien mussten wir 2022 noch klassisch einklarieren. Wir erkundeten von Dubrovnik bis hinauf nach Rovinj die großartigen dalmatinischen Inseln. Erst im November machten wir für den Winter in Veli Iž fest. Seit diesen Tagen ist Veli Iž unsere zweite Heimat geworden.
2023: Kroatien, Montenegro, Griechenland und zurück
Zugegeben, im März wieder Veli Iž zu verlassen, fiel uns schwer. Uns lockte aber Montenegro. Was für ein Abenteuer. Die Touristikbranche wirbt hier schlicht mit dem Slogan „Wild beauty Montenegro!“ Und genauso empfanden wir es. Wild und wunderschön: Ob im alpinen Hochgebirge des Durmitor-Nationalparks, genauso wie in Europas tiefster Schlucht, der Taraschlucht, oder in der Bucht von Kotor. Die vier Wochen waren fast zu kurz.
Die Ionischen Inseln hätten wir viel besser genießen können, wenn uns hier unsere elektrische Ankerwinde nicht im Stich gelassen hätte. Dafür durften wir in Griechenland neben den vielen tollen Inseln, den beeindruckenden antiken Stätten, den freundlichen Griechen mit ihrer großen Gastfreundschaft immer wieder die Unechte Karettschildkröte, eine Mönchsrobbe, einen Cuvier´s Schnabelwal, einen Pottwal und viele Delphine erleben. Viel mehr kann das Mittelmeer einem Biologen nicht bieten.
Im September segelten wir wieder zurück nach Kroatien, nach Veli Iž. Hier blieb unsere Colette zwei Jahre an Land und bekam ihr zweites Refit.