Sommer 2019

Strecke:

Von Lübeck entlang der deutschen Küste nach Kühlungsborn. Quer über die Ostsee nach Gedser (Dänemark) und Klintholm. Weiter ins schwedische Skanör. Und schließlich nach Rönne, Bornholm. Umrundung von Bornholm mit Abstecher nach Christiansö und Frederiksö. Von Bornholm nach Rügen (Lohme). Über Hiddensee nach Warnemünde, weiter nach Kühlungsborn und zurück nach Lübeck.

Endlich Sommerferien. Fast fünf Wochen Zeit, die wir nun für uns, für unser Schiff und für die Ostsee haben. Unser geplanter Törn wird uns über Südschweden nach Bornholm und über Rügen wieder zurück nach Lübeck führen. Bis Bornholm begleitet uns Chris, ein guter Freund, Taucher und Segler. Er soll uns nicht nur im flachen Wasser in die Technik des Tauchens einführen, sondern als Bornholm-Kenner möchte er uns auch seine Lieblingsplätze auf Bornholm zeigen.

Wir sind erst wenige Minuten auf der Trave unterwegs, als die Temperaturanzeige unseres Motors auf über 90° C steigt.
„Sofort mit der Drehzahl runter“, rufe ich, wobei die gar nicht so hoch ist. „Was ist los,  knapp 1500 Umdrehungen, Wasser kommt aus dem Auspuff und trotzdem so hohe Temperaturen?“
Wir checken den Wasserfluss am Filter. Wasser wird durch die Schläuche gepumpt. Der Impeller scheint in Ordnung, Wir suchen weiter, finden aber sowohl im Inneren als auch äußeren Kühlwasserkreislauf keine Störungen. Langsam tuckern wir mit 2 Knoten weiter und allmählich geht die Temperatur zurück.
Wir blicken uns fragend an und tippen auf zu wenig Kühlwasser aufgrund eines „zugewachsenem“ Seewasserventils. In dem dunkelbraunen Travewasser ist das Unterwasserschiff von Bord aus kaum auszumachen. Die Öffnung des Seewasserventils, das einen Meter unter der Wasserlinie liegt, sowieso nicht.
„Soll ich tauchen?“, fragt Chris. Aber die Trave ist wenig einladend.
Lukas legt sich am Heck auf die Badeplattform und kann so mit etwas Mühe über die Bordwand unter der Wasserlinie streichen.
„Alles voller Seepocken!“

Langsam fahren wir unter Motor die Trave abwärts. Immer die Temperaturanzeige im Blick. Dann tanken wir noch in Travemünde Schiffsdiesel und in der Lübecker Bucht setzen wir endlich Segel. So, jetzt sollten wir ohne Motor in die Wohlenberger Wiek segeln können. Dort können wir uns dann um das Seepockenproblem kümmern.

Sonne, Wolken, Wind. Stolz zeigen wir Chris, wie unsere Colette mit Großsegel und Genua bei 15 bis 20 Knoten am Wind durch die Wellen  braust. Brausen sollte. Auch hier bremsen die Seepocken. Im Vergleich zu unseren Erfahrungen an Pfingsten sind wir wenigstens ein bis zwei Knoten langsamer. Trotzdem sind wir zufrieden und genießen das Segeln. Genießen, schwatzen, trinken Tee und vergessen darüber das Wetter zu beobachten oder nehmen die schwarze Wand, die sich von Nordwesten nähert, nicht ernst. Und die Gewitterfront kommt schnell. Viel zu schnell für uns. Als uns die erste Böe erfasst, ist es auch schon fast zu spät, um sinnvoll reagieren zu können. Der Windmesser zeigt 30, 40, 50 Knoten. Colette legt sich mächtig auf die Seite. Unter Deck scheppert alles mögliche durcheinander, Lucky jault auf und wir klammern uns irgendwo fest.
„Schoten fieren!“
Ich versuche viel zu spät abzufallen, habe aber keine Chance mehr. Colette luvt an und wir dadurch aufrechter. Die Segel knattern und schlagen. Die Genuaschoten knallen wir Peitschen über das Deck. Wir versuchen die Genua zu reffen. Am Unterliek reißt das Segel auf 10 Zentimeter ein. Wir rollen sie ganz weg. Jetzt prasselt Regen auf uns nieder. Als ob wir durch einen Wasserfall fahren würden. Die Böen packen uns immer noch mit 40 bis 50 Knoten. In unser Not und Unerfahrenheit ziehen wir hastig das Großsegel runter und fixieren es irgendwie. Ohne Segel machen wir vor der Front über 4 Knoten Fahrt auf das Ufer zu. Den Motor wollen wir erst mal nicht starten, um ihn nicht zu überhitzen. Wir beobachten das näher kommende Ufer. Zum Glück ist es noch weit genug entfernt. Weit genug für die schnell über uns hinweg ziehende Gewitterwalze.


Keine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei und die Sonne scheint wieder. Lucky schüttelt sich und lugt vorsichtig über den Rand des Cockpits. Mit weichen Knien betrachten wir die Schäden. Alles was im Cockpit lag, ist jetzt an einem anderen Ort. Nass sowieso. Aber nichts ist ernstlich kaputt gegangen. Uns ist klar, dass wir ab sofort Tassen, Teekanne, Fernglas, Fotoapparat und andere Dinge besser sichern oder, wenn nötig, regensicher verstauen müssen.
Unter Deck ein Bild der Verwüstung. Schapps,die nicht richtig geschlossen waren, sind aufgesprungen und haben ihren Inhalt im Raum verteilt. Alle Bücher sind aus den Regalen gestürzt, im Bad die Zahnputzbecher samt Inhalt usw. Nichts wesentliches ging kaputt. Wir nehmen aber gleich Stift und Papier zur Hand und notieren, wo wir Netze oder Leisten vor den Regalen anbringen, wo Schließscharniere verbessert werden und welche Töpfe, Tassen und Teller besser verstaut werden müssen.
Das wichtigste, was wir uns aber dick hinter die Ohren schreiben, ist, das Wetter besser im Blick zu behalten, rechtzeitig Ölzeug anzuziehen und frühzeitig zu Reffen!

Zwei Stunden später kommt die nächste Gewitterfront auf uns zu. Alles ist schon längst bestens verstaut und gesichert. Groß und Genua sind gerefft und Lucky darf sich im Cockpit unter einem alten Poncho verkriechen. Alleine unter Deck sein, will er auf keinen Fall. Mit Ölzeug und Stiefeln stehen wir an Deck und erwarten angespannt die erste Böe. Sie kommt mit 30 Knoten. Ich falle rechtzeitig ab und Colette lässt sich gutmütig manövrieren. Allerdings erreichen die Böen dieses mal kaum mehr als 35 Knoten. Klatschnass werden wir trotzdem.

Wie gut, dass Chris seine Taucherausrüstung dabei hat. In der Wohlenberger Wiek zeigt er uns die ersten Grundkenntnisse des Tauchens, aber viel wichtiger, er taucht stundenlang unter der Colette und kratzt tausende von Seepocken vom Rumpf. Lukas und ich helfen so gut wir können mit Taucherbrille und Schnorchel. Alle drei tragen wir Neoprenanzüge. Bei 18° C Wassertemperatur wird es aber selbst im Neopren irgendwann kalt. Nach Stunden harter Arbeit sind wir total erschöpft. Das gesamte Unterwasserschiff haben wir mit Spachteln abgekratzt, alle Bordventileingänge, die Schraube und das Bugstrahlruder von Seepocken befreit. Unglaubliche Mengen. Im nächsten Frühjahr werden wir die Colette wohl an Land kranen lassen müssen, um den Unterwasseranstrich zu erneuern.

Nach einem Tag „Kratzpause“ und einem weiteren Tag „Tauch- und Erholungspause“ fahren wir weiter. Unser Ziel heißt ja Bornholm. Von Kühlungsborn setzen wir bei kräftigem Westwind zum dänischen Gedser über. Wieder toben zwei Gewitterfronten mit Böen um die 40 bis 50 Knoten über uns hinweg. Dazu über zwei Meter hohe Wellen. Die Ostsee zeigt uns, dass sie ganz schön stürmisch kann. Unsere Colette parriert den Sturm gut und auch wir werden immer besser. Nur Lucky mag sich an die Wellen nicht gewöhnen, Er zieht den Schwanz ein und immer wieder beginnt er zu zittern. Da hilft dann nur eines: Einer von uns muss sich zu ihm auf den Cockpitboden legen. Sofort schmiegt er sich dankbar an und man spürt, wie er entspannt, bis er schließlich einschläft.

Auch in Klintholm hält uns dann das stürmische Wetter drei Tage im Hafen fest. Wir nutzen den Zwangsaufenthalt und besichtigen die Klintholmer Kreidefelsen und das dortige Besucherzentrum. Beides, Felsen und Zentrum sind äußerst beeindruckend. Nicht nur Lucky freut sich über den langen Landgang. Auch wir genießen trotz Regen die ausgiebige Wanderung zwischen den steilen Felsen und durch den Buchenwald. Mit dem letzten Bus fahren wir vom Besucherzentrum wieder zum Hafen zurück. Die Heizung im alten Linienbus gibt ihr Bestes. Schnell beschlagen sich alle Scheiben und wir dösen in der wohligen Wärme. Fast hätten wir unsere Haltestelle verschlafen. Aber es wäre sowieso Endstation gewesen.

Dann weiter. Ziel Bornholm. Am Nachmittag schläft der Wind ein und wir starten den Motor, der auch problemlos und sofort anspringt. Allerdings hören wir Vibrationsgeräusche, die wir so nicht kennen und die uns etwas beunruhigen. Besonders im Leerlauf sind es laute, tiefe Frequenzen. Bei steigender Drehzahl werden sie wohl schwächer oder wir hören sie nur weniger, weil sie vom lauter werdenden Motor überdeckt werden. Vorsichtshalber machen wir den Motor aus und setzen wieder Segel. Wir beschließen, in einem Hafen den Grund für die Vibrationen zu suchen. Der schwache Wind könnte uns bis heute Abend gerade so nach Skanör (Schweden) bringen. Also Kurswechsel.

Wir dümpeln Skanör entgegen. Vor der engen Hafeneinfahrt verliert unser Schiff schließlich jegliche Fahrt. Aber selbst bei Wind hätten wir uns nicht getraut, in der kleinen, uns unbekannten Marina unter Segel anzulegen. Wir nehmen die Segel runter und starten den Motor. Heftiges, tiefes Vibrieren und Wummern. Bange Minuten. Langsam steuert Lukas in die Marina. Wir finden an der Kaimauer einen Platz, an dem wir längsseits anlegen können. Trotzdem muss Lukas auch kurz  den Rückwärtsgang einlegen. Jetzt wird das Vibrieren fast unerträglich, das ganze Schiff zittert. Schnell machen wir die Leinen fest und den Motor aus.

Sorgenvoll blicken wir in den Motorraum. Auf den ersten Blick lässt sich nichts erkennen. Bei den heftigen Vibrationen muss doch irgend ein Teil locker sein oder sich doch der gesamte Motor bewegt haben. Vielleicht sitzt auch das Lager der Welle nicht mehr richtig. Oder der Propeller ist nicht mehr fest. Lukas steigt in den Motorraum und leuchtet mit der Lampe jede Ecke aus und rüttelt an allen Motoranbauteilen.
„Ich hab´s!“, ruft er endlich und streckt mir ein abgebrochenes Stück Aluminiumguss entgegen.
„Irgend etwas hat es zerbröselt.“ Und kurz danach hält er ein zweites Stück in der Hand.
„Es ist die Pratze. Sie ist total zerbrochen!“
„Was ist eine Pratze?“ wollen Friederike und Chris wissen.
„Die Befestigungsplatte zwischen Schiff und Motor.“
„Also steht der Motor jetzt nur noch auf drei Beinen“, meint Chris.
„Ja, so ähnlich. Jedenfalls steht er so nicht mehr fest. Daher die Vibrationen“, klärt Lukas auf. „Was dann aber auch dazu führen kann, dass die Welle unrund läuft und Welle und Getriebe Schaden nehmen können.“
Bestürzt, betroffen und ratlos schauen wir uns an.
„War nicht bei all unseren Ersatzteilen, die wir von unseren Vorbesitzern übernommen haben, auch eine Pratze dabei?“, fragt Lukas. Ich nicke.
Lukas muss nicht lange suchen und er kommt mit einer Pratze zurück. Allerdings mit getrübter Mine.
„Wir haben eine Ersatzpratze. Aber nur für die Backbordseite. Wir brauchen aber die für Steuerbord!“

„Ich hole für alle ein Bier aus dem Kühlfach und dann beraten wir“, unterbricht Friederike unser trauriges Schweigen. „Im Augenblick und um diese Uhrzeit können wir sowieso nichts mehr machen.“
Wir sitzen im Cockpit zusammen und legen unseren Plan fest: Heute noch irgendwie die Pratze ausbauen. Nebenbei kochen. Im Internet recherchieren und morgen den Hafenmeister fragen, wo es die nächste Werkstatt für Bootsmotoren gibt. Vielleicht können wir dort eine passende Pratze bekommen oder vielleicht können die auch eine neue Schweißen. Auf jeden Fall gleich mal über das Internet bei Vetus eine neue Pratze bestellen. Dann Warten. Hoffentlich nicht lange und schließlich die neue Pratze einbauen oder einbauen lassen.

Der Plan klingt gut, zeigt aber schnell seine Schwächen. Die Bestellung an Vetus geht raus aber wir bekommen keine Bestätigung (auf die warten wir übrigens heute noch). Das Internet verrät uns, dass die nächste Werkstatt in Malmö liegt. 30 km von hier.
Immerhin zwei Lichtblicke. Das Kochen klappt sehr gut – Chris macht Pfannkuchen, dazu gibt es Spinat und Schafskäse – und mit etwas Mühe ist zwei Stunden später die Pratze ausgebaut. Dazu haben wir mit zwei Spanngurten und Hebeltechnik den Motor am Handgriff an der Decke des Motorraumes um wenige Zentimeter nach oben gezogen und mit Holzkeilen unterlegt. Um an die Schrauben der Pratze zu gelangen, muss Lukas dann noch die Lichtmaschine ausbauen.
Die Auskunft beim Hafenmeister am nächsten Morgen ist mehr als dürftig. In Skanör wisse er niemand, der uns helfen könnte. Ja, Malmö. Ja, dort gibt es sicherlich eine Werkstatt. Aber das ist ja weit weg. Da wüsste er auch nichts genaues. Fazit: Werkstatt Fehlanzeige und Rückmeldung von Vetus bisher auch Fehlanzeige. Mit der zerbröselten Pratze in der Hand stehen wir ratlos an der Kaimauer vor unserer Colette.
„He, schaut mal“, ruft Chris plötzlich aufgeregt, „sind da drüben nicht drei Hafenarbeiter und schweißen an der Spundwand?“ Und schon ist der mit der kaputten Pratze unterwegs zu den Arbeitern.

Die kaputte Pratze wieder zusammenschweißen, das ginge natürlich nicht. Aluguss lässt sich nicht schweißen. Aber eine neue nachbauen, sogar aus Edelstahl, das könne er schon, meint der große, kräftige Schwede mit dem Schweißbrenner in der Hand. Hier könne und dürfe er es aber nicht machen. Abends, zu Hause, in seiner eigenen Werkstatt, da schon.
„But I need two days. Is it ok?“
Ja, natürlich. Wir jubeln. Das wäre die perfekte Lösung. Ich bin so glücklich, dass ich gar nicht nach Kosten fragen will. Chris tut es. Aber der nette Schwede winkt ab.
„Nothing. Seaman helps seaman, that´s it!“

Zwei Tage in Skanör zu warten, ist keine Strafe. Wir machen lange Strandspaziergänge, gehen einkaufen, grillen und reparieren Kleinigkeiten am Schiff. Als am zweiten Tag kräftiger Wind über die Ostsee fegt, den die Kitesurfer am Strand von Skanör vortrefflich nützen, sind wir sogar froh, mit unserer Colette in der ruhigen Marina zu liegen.

Morgens um halb acht klopft es an unsere Bordwand. Der Schwede reicht mir zufrieden grinsend die neue Pratze rüber. Alle Maße habe er haargenau von der alten übernommen. Sollte passen. Aber wir sollen es ihm sagen, wenn wir sie erfolgreich eingebaut hätten. Eine Stunde später melden wir ihm das gute Ergebnis: Pratze passt, keine Vibrationen mehr, Welle und Getriebe scheinen ohne Schaden. Perfekt! Zum Dank überreiche ich ihm eine Flasche Schwarzwälder Kirschschnaps, über die er sich riesig freut. Im Schwarzwald sei er schon einmal für einige Wochen gewesen.
„Have there a girlfriend, you know,“ fügt er Augenzwinkernd hinzu und lacht.
„Have a nice trip!“

Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen. Im Nu haben wir alles verstaut und werfen die Leinen los. Wir starten den Motor. Kein Vibrationsgeräusche mehr, alles bestens. Endlich kann es nach Bornholm rüber gehen. Vorsichtig tasten wir uns die Hafeneinfahrt hinaus und um den Wellenbrecher herum. Ein bis zwei Meter hohe Wellen erwarten uns, die Dünung des gestrigen Sturmtages. Unser Motor hält wacker dagegen, bis Lukas plötzlich schreit:
„Qualm aus dem Motorraum!“

Ich bin gerade auf dem Vorschiff mit dem Aufnehmen der Festmacherleinen beschäftigt, als Lukas auch schon den Motor aus macht. Wie elektrisiert stolpere ich nach hinten ins Cockpit, den Niedergang hinunter und reiße die Türe zum Motorraum auf. Dicker, weißer Qualm kommt mir entgegen. Es riecht nicht nach Auspuffabgasen, nicht nach Rauch, es scheint eher Wasserdampf zu sein. Ich schalte den Haupthahn für die Stromversorgung aus. Oben schreit Lukas:
„Sofort Segel setzen! Sonst hängen wir auf dem Wellenbrecher.“
Hektik im Cockpit und an Deck. Ich stürze wieder nach oben und helfe, Friederike und Chris, das Großsegel hochzuziehen und die Genua auszurollen. Lukas lenkt uns vom Wellenbrecher weg. Durchatmen. Und jetzt nochmal in Ruhe in den Motorraum sehen.

Es ist Wasserdampf. Oder besser, der Dampf der Kühlflüssigkeit. Der Gummischlauch des inneren Wasserkreislaufes ist geplatzt. Die viel zu heiße, dampfende Kühlflüssigkeit hat sich über den ganzen Motorraum verteilt. Zum Glück hat Lukas sofort den Motor abgestellt, denn wenn die Kühlflüssigkeit zum verdampfen kommt, dann muss der Motor deutlich über 80° C heiß gewesen sein. Wir suchen nach der Ursache und sind schnell fündig: Der Keilriemen sitzt viel zu locker, sodass die Wasserpumpe nicht angetrieben wurde. Dem Motor fehlte schlicht die Kühlung und der Druck in den Schläuchen wurde so hoch, dass einer Gummischläuche schließlich platzte. Wie sind selbst schuld, unser Fehler beim Einbauen der Lichtmaschine.

Wir warten, bis sich der Dampf abgekühlt und sich die Flüssigkeit an den Wänden, am Motor, allen Leitungen und sonst niedergeschlagen hat. Dann beginne ich den Motorraum so gut es geht zu putzen. Kein leichtes Unterfangen bei zwei Meter hohen Wellen. Aber das ist nur der Anfang. Lukas und ich bauen bei dem Wellengang den gerissenen Kühlerschlauch aus und dafür einen neuen ein. Gut, wenn man für alles Ersatzteile an Bord hat. Lukas muss ab und an nach oben, um frische Luft zu schnappen. Der Seegang und die Dämpfe im Motorraum nagen an seinem Magen. Dann müssen wir die Lichtmaschine nochmals neu einbauen, um dem Keilriemen die richtige Spannung zu geben. In einem Fach tief in der Bilge haben wir auch noch einen Kanister mit Kühlflüssigkeit. Geschafft!
Nach mehr als drei Stunden sind wir endlich fertig und mit blauen Flecken und Schrammen übersät. Wir könnten uns in den Hintern beißen, dass wir beim Einbauen der Lichtmaschine so nachlässig waren. Hoffentlich hat unser Motor durch die hohen Temperaturen keinen Schaden genommen. Wir starten und er schnurrt wie immer. Die alte Maschine kann doch viel ab.

Geschafft, müde und hungrig beschließen wir den nächsten Hafen, Gislövsläge, anzulaufen. Ob wir nun einen Tag früher oder später Bornholm erreichen, spielt mittlerweile auch keine Rolle mehr, da Chris, unser Bornholm-Reiseleiter, uns eh in drei Tagen verlassen muss. Seine zwei Wochen Urlaub sind dann schon vorüber.

Bornholm ist, wie in vielen Reiseführern beschrieben und wie uns Chris vorgeschwärmt hat, wunderschön. Die Sonneninsel in der Ostsee macht ihrem Ruf alle Ehre, als wir Rönne erreichen. Sonne und warme Temperaturen. Das windige, kühle Wetter der letzten zwei Wochen ist wie weggeblasen.

Wir genießen Rönne, Allinge, Swaneke, gehen Baden, Wandern, über Märkte bummeln, können uns an den geräucherten Fischspezialitäten nicht satt sehen und satt essen, sitzen in Straßencafes und lassen sorglos die Zeit vorbei gehen. Was für ein tolles Seglerleben! So darf es weitergehen.