Termine

Seit Monaten waren wir nun mehr oder weniger ohne feste Termine und vor allem ohne Termindruck unterwegs. Das wird sich nun in dieser und den nächsten Wochen wieder ändern.

Nach weiteren Arbeiten auf und am Schiff sind die ersten Termine sehr angenehm. Wir werden zuerst von Balz, einem Schweizer, der seit vielen Jahren in Veli Iž lebt, und einen Tag später von Ute zum Essen eingeladen. Bei gutem Essen erfahren wir viele nette Geschichten von Iž und bei allen ist das Grundthema die Freundlichkeit und Gelassenheit der Inselbewohner und das gute, anspruchslose Leben auf Iž. Ausnahmen seien allerdings die Sommermonate, wenn auch auf Iž das von Jahr zu Jahr größer werdende Heer der Touristen über die Insel herfällt und auf den Charterschiffen in der Marina bis in die frühen Morgenstunden laute Partys gefeiert werden. Wie gegensätzlich ist dagegen die Zeit jetzt im Winter. Die Insulaner sind unter sich und genießen die Ruhe ihrer Insel. Eine kleine Ausnahme gab es beim dritten Platz der kroatischen Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft. Der wurde gefeiert: Ein Autokorso, gebildet von einem Auto, fuhr hupend durchs Dorf und an der Kaimauer wurde ein Feuerwerk von mindestens drei Minuten Dauer abgehalten. Und gleich danach herrschte in Veli Iž wieder himmlische Inselruhe.

Den nächsten, eigentlich wiederum angenehmen Termin haben wir dann am Samstag. Wir fahren mit der Fähre Anamarija nach Zadar. Allerdings müssen wir schon gegen 7.00 Uhr in der Frühe am Fähranleger stehen. Das ist früh! Und es ist noch dunkel, kalt und regnerisch. Wir wollen auf dem Markt noch einige kroatische Köstlichkeiten kaufen. Olivenöl, Pilze, Feigen… und vor allem Ćevapčići, denn in wenigen Stunden werden Lukas und Bulle mit dem Auto in Zadar ankommen, um uns abzuholen. Und ihnen haben wir als Willkommensessen Ćevapčići versprochen.

Lukas ist am Freitagmittag in Lübeck gestartet und durch das winterliche Deutschland zu Bulle, Petra und Maxim nach München gefahren. Eine Fahrt von über acht Stunden. Nach kurzer Nacht ging es dann morgens um halbfünf in München weiter. Damit Lukas nicht die ganze, lange Strecke alleine fahren muss, hat sich Bulle bereit erklärt, ihn zu begleiten. Trotz Schneefall und Schneematsch auf den Straßen kommen sie gut durch die tief verschneiten Alpen, durch ein weißes Slowenien und über ein kaltes, nebliges Velebitgebirge. Schon gegen 13.30 Uhr sind sie in Zadar. Wir freuen uns riesig!

Das Auto bleibt auf einem großen Parkplatz in Zadar und mit der Abendfähre geht es zurück nach Veli Iž.

Der Sonntag wird arbeitsreich. Lukas hat Frostschutz, Motorenöl und Ölfilter mitgebracht, damit wir Motor und Generator „einwintern“ können. Den Frostschutz geben wir nicht in den äußeren Kühlkreislauf, um ihn frostsicher zu machen, denn Frost gibt es auf Iž kaum, sondern um die Leitungen von Salzwasser zu spülen und der Korrosion vorzubeugen.

Bei Sonnenschein und leichtem Wind trocknen wir das Großsegel und nehmen es ab. Dabei überlegen wir, wie wir ein Lazyjack- und Lazybag-System (ein System aus Leinen, die vom Mast zum Baum reichen sowie einer großen Tasche entlang des Baums, in die das Großsegel sehr einfach geborgen werden kann) selbst machen könnten. „Selbst“ heißt in diesem Falle mit Petras Hilfe, denn sie könnte vielleicht aus unserem alten, ausgemusterten Großsegel eine Lazybag nähen. Und Petra kann hervorragend nähen! Bulle hat eine perfekt passende Abdeckplane für unser Dingi mitgebracht, die Petra aus unserem alten Vorsegel genäht hat. Großartig. So können wir nicht nur die ausgemusterten Segel noch sinnvoll verwenden, sondern mit dem alten Segelstoff kommt auch wieder etwas von der rotbraunen Farbe auf unser Schiff zurück, die unsere Colette über viele Jahre geprägt hat, bevor wir die neuen, weißen Segel im Frühjahr bekamen.

Am Abend gibt es noch eine Überraschung. Ute kommt mit ihrem kleinen Auto und gemeinsam fahren wir nach Mali Iž, dem 5 km entfernten Nachbarort. Wir stimmen uns in der Dorfbar mit einem PT – einem Pelinkovac-Tonic-Aperitif – auf nachher ein. Einige Gäste verfolgen das Endspiel zwischen Frankreich und Argentinien, wechseln aber immer wieder lieber auf den anderen Sender, in dem die Rückkehr der kroatischen Mannschaft gefeiert wird; alle rauchend, versteht sich von selbst. Eine Gasse weiter gibt es eine nette Konoba, die, obwohl im Winter offiziell geschlossen, auf Bestellung für eine kleine Gruppe ein Essen kocht. „Ein Essen“ ist dabei wörtlich gemeint. Für alle gibt es ein gemeinsames Essen: Pašticada, einen dalmatinischen Rinder-Sauerbraten, der im Mund zergeht, mit Gnocchi und Salat. Was für ein gutes, schönes, gelungenes Winter-Weihnachts-Abschieds-Essen!

Der Abschied von Iž und unserer Colette kommt näher. Am Montagmorgen machen wir noch die letzten Handgriffe, um unser Schiff für die nächsten sechs, acht Wochen alleine zu lassen: packen, putzen, alle Ventile schließen, ebenso alle Luken, Müll von Bord nehmen, offene Lebensmittel Ute geben, nochmals alle Leinen prüfen, alles abschließen, Igor und seiner Familie ein schönes Weihnachtsfest wünschen…

Eigentlich haben wir genügend Zeit. Die Schnellfähre „Olea“ geht um 12.40 Uhr. Vielleicht lassen wir uns beim letzten Mal Mittagessen auf der Colette zu viel Zeit, vielleicht verquatschen wir uns etwas, vielleicht will uns aber auch unser Unterbewusstsein auf unserer Colette und der Insel Iž zurückhalten, jedenfalls wird es nochmals eng und wir müssen uns mit unserem vielen Gepäck sputen, um rechtzeitig am Fähranleger zu sein. Ute unterstützt uns und geht schon mal vor, um für uns die Fahrkarten zu kaufen.

Dann geht es schnell. Die Fähre kommt, wir verstauen unsere Rucksäcke in den Fächern an Deck und Lucky muss in eine Hundebox. Das ist für ihn ungewohnt und passt ihm gar nicht. Aber an der Schnellfähre darf niemand an Deck stehen, auch nicht Hunde mit ihren Hundehaltern. Wir winken nochmals Ute kurz zu und schauen für einen letzten Moment zur Colette hinüber, dann müssen wir ins Schiffsinnere und die „Olea“ braust aus dem Hafen von Veli Iž, Zadar entgegen.

Die Autofahrt zurück nach München ist lang. Aber unsere Fahrer, Bulle und Lukas, fahren gut und zuverlässig. Ohne Probleme erreichen wir gegen 23.00 Uhr München und kurz danach sitzen wir am gedeckten Tisch. Petra hat gut gekocht. Was für ein Service. Vielen Dank an euch, Petra und Bulle, für eure Freundschaft und Unterstützung!

Dann stehen die nächsten Termine an. Auf der Heimfahrt von München in den Schwarzwald fahren wir über Tübingen. Friseurtermin für die ganze Familie. Seit über 25 Jahren sind wir bei Toni Stammkunden. Toni hat bei mir etwas Mühe, meinen in den letzten Monaten selbstgemachten und dadurch etwas eigenwilligen Haarschnitt zu korrigieren. Aber nach einer halben Stunde harter Arbeit sehe ich wieder ganz manierlich aus. So, jetzt können wir zurück in das geordnete Landleben.

Das beginnt mit einem herzlichen Empfang in unserem Haus. Gabi, die während unserer Abwesenheit bei uns nach dem Rechten schaut, hat einen lieben Weihnachtsgruß auf den Tisch gestellt und alles ist bestens gerichtet.

Am nächsten Morgen geht das geregelte Landleben gleich mit den nächsten Terminen weiter: 8.00 Uhr Hausarzt und Coronaschutzimpfung; 9.30 Uhr Zahnarzt mit Zahnreinigung und Kontrolle. Puh! Die Zähne sind in Ordnung. Dann Einkaufen, mit dem Kaminfeger Termine ausmachen, die Post durchschauen, weitere Arzttermine vereinbaren…

So, und jetzt steht Weihnachten vor der Tür und wir freuen uns schon auf unsere Familien, Freunde und Bekannte. Auch diese Treffen sind Termine. Aber zum Glück allesamt sehr angenehme. Wir möchten dafür neben Weihnachten den Januar nutzen. Vielleicht auch noch ein oder zwei Wochen im Februar. Aber dann geht es wieder zurück zur Colette. Im Hinterkopf laufen schon die Planungen für das nächste Jahr: Kroatien, Montenegro… Und gerade hat die Post die bestellten Seekarten von Griechenland gebracht. Wir werden ab Februar wieder berichten.

Ein großes Anliegen ist uns aber noch, uns bei all Jenen zu bedanken, die uns – in welcher Form auch immer – auf dieser Reise unterstützt und diese ermöglicht haben! Sei es ideell, finanziell, logistisch, oder einfach, weil sie die Freude des Langfahrtsegelns mit uns teilen.

Wir wünschen euch allen erholsame Feiertage und alles Liebe und Gute für das neue Jahr!

Eure Colette-Crew

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Anja

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünschen euch Anja und Jörg

  2. Thomas

    Willkommen zu Hause, freue mich euch zu sehen, noch ein Termin…..

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