Stürmischer Beginn

28. März bis 05. April

Am 28. März fahre ich zusammen mit Chris und Max wieder nach Kroatien. Sowohl in den Alpen als auch im Velebit hat es noch reichlich Schnee und die Bora bläst so stark, dass sowohl die Küstenstraße als auch die Autobahn gesperrt sind. Aber die alte Passstraße ist für PKW offen, obwohl es auch hier ordentlich weht.

Auf der Fähre zwischen Zadar und Iž sehen wir sechs Delfine. Ein gutes Omen, wenn uns unsere Glücksbringer gleich am ersten Tag begrüßen!

Unser kleines Auto ist voll bepackt, da passt kein Blatt Papier mehr dazwischen. Unter anderem vier Lithiumbatterien und die Komponenten für einen Wassermacher. Wenn Lukas in drei Tagen nachkommt, möchte er den Wassermacher einbauen. Bootsbauerarbeit.

Bis dahin haben wir anderes zu tun: wir müssen Colette aus dem Winterschlaf befreien. Unser Schiff ist ja seit letztem Oktober im Hafen von Veli Iž wieder im Wasser, nachdem sie davor hier zwei Jahre an Land stand. In dieser Zeit haben wir (vor allem Lukas) umfangreiche Reparaturen und Erneuerungen durchgeführt. Die Fäkalienschläuche und Borddurchgänge gewechselt, die gesamte Elektrik auf die neue Lithiumtechnik angepasst, Roststellen an Deck und Rumpf ausgebessert, das Unterwasserschiff komplett sandstrahlen lassen und abgeschliffen, um es nach fünf Schichten Primer schließlich mit Cuppercoat, einem Kupferantifouling, zu streichen, haben den Rumpf neu lackiert, am Rigg einige Verbesserungen gemacht, usw., usw. Jetzt liegt sie bestens gerüstet an der Kaimauer, noch unter Planen verpackt und ohne Segelkleid. Segel und alle Leinen anschlagen und schließlich das Schiff zum Auslaufen fertig machen sind bei der Frühlingsonne angenehme Arbeiten und am nächsten Morgen können wir dann auslaufen.

Ach, und wie sie läuft. Bei einem Wind mit angenehmen 15 bis 18 Knoten erreicht sie knappe 8 Knoten: Rumpfgeschwindigkeit! Von Veli Iž segeln wir in wenigen Stunden bis in die Bucht von Molat zum Ankern. Was für ein Start in die neue Saison! So könnte es weitergehen.

Geht es aber nicht. Der Wetterbericht warnt für die nächsten Tage vor einer sehr starken Bora mit Windgeschwindigkeiten bis 50 Knoten selbst im geschützt liegenden Zadar. Dort wollen wir übermorgen ja Lukas abholen. Wir fahren in die große Bucht von Sukošan. Dort haben wir reichlich Platz zum Ankern und können den Anker tief in den Sand eingraben. Vom Flughafen zu dieser Bucht ist es nicht weit. Lukas nimmt ein Taxi.

Dann kommt die Bora. Selbst in der geschützten Bucht erreichen uns Böen von über 40 Knoten. Der Anker hält. Aber in drei Tagen müssen wir zweimal die Leine wechseln, mit der wir die Ankerkralle auf den vorderen Klampen belegen. Sie ist durchgescheuert!

Mit Lukas kommt Arbeit an Bord. Bora hin oder her. Jetzt wird der Wassermacher eingebaut. Dazu braucht Lukas allerdings noch einige Kleinteile und einiges an Brettern, um im Raum mit der Waschmaschine – ab sofort wird er Technikraum heißen – Pumpen und Filter des Wassermachers sinnvoll einbauen können. Chris und Lukas fahren mit dem Bus nach Zadar zum Baumarkt, um mit großen, unhandlichen Holzplatten und weiteren benötigten Teilen bepackt zurück kommen. In der Zwischenzeit steigt Friederike an Bord. Ihr Flug ging in den frühen Morgenstunden von Baden-Baden nach Zadar und trotz Bora ist die Maschine gut und sicher in Zadar gelandet.

Unser Cockpit wird mal wieder zur Werkstatt. Eine herausfordernde Arbeit, bei dem Seegang gerade Sägeschnitte zu machen: Colette neigt sich immer wieder bis zu 12 Grad auf die Seite… Kreissäge und Stichsäge kommen zum Einsatz und so nach und nach wird klar, wie wir die einzelnen Komponenten im Technikraum unterbringen. Drei Tage Bora, drei Tage Arbeit am Wassermacher.

Am Freitag lässt die starke Bora nach und wir haben tollen Segelwind. Bei blauem Himmel.

Und wie sie läuft! Eine helle Freude! Wir genießen alle miteinander ein wenig Ruhe und Freiheit! Ohne Arbeit…

Abends pünktlich zu Sonnenuntergang ankern wir in der kleinen Bucht von Prtjug auf der Insel Uglian. Wir sind alleine. Gegenüber ein paar kleine Fischerhäuschen, in denen sich am Samstag etwas Leben regt. Es ist Ostern.

Sonntag segeln wir wieder weiter, flott läuft sie, die alte Dame, Veli Iž entgegen. Ein Katzensprung bei dieser Geschwindigkeit. Dann sind wir wieder daheim. Irgendwie.

Aber die Arbeit ist noch nicht zu Ende. Schließlich muss Lukas noch vier Lithiumbatterien einbauen und für das neue Energiemanagementsystem programmieren. Diese neue Technik ist schon eine feine Sache. Die neuen Batterien sind kleiner als die alten, haben aber deutlich größere Speicherkapazitäten. Mit Solarpanel und Windrad sollten wir jetzt energieautark sein und mit dem Wassermacher können wir aus Salzwasser unser eigenes Süßwasser machen. Perfekt. Die Weltreise kann kommen! Lukas ist stolz auf sein Werk und unsere Colette und Friederike und ich sind stolz auf unseren Sohn. Jetzt kann die Weltreise wirklich kommen.

Am Ostermontag fahren Friederike, Lukas und Chris (Max musste schon vor Tagen zurückfliegen) zurück nach Deutschland. Ebenso voll bepackt mit letzten Dingen, die im Schiff nicht mehr benötigt werden. Friederike werde ich in drei Wochen wiedersehen, wenn wir gemeinsam mit unseren Münchner Freunden von Pula nach Venedig segeln wollen. Bis ich Lukas wieder sehe, wird es Sommer. Dann wollen wir gemeinsam Richtung Atlantik aufbrechen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Anja

    Wie schön, dass ihr bald wieder on Tour seid. Wir werden euch in Gedanken begleiten.

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