Triest

27.04. – 03.05.2026

Der Montag in Pula gehört der Organisation. Die alten Matratzen zum Recyclinghof bringen, einkaufen, nochmals Wäsche waschen, durch die Stadt bummeln und sich zu dritt auf der Colette einrichten.

Am Dienstag zuckeln wir dann Richtung Norden. Zuckeln ist das richtige Wort, es geht sehr gemächlich Rovinj entgegen. Mal unter Segel, dann wieder mit dem Motor. Die Windstille ist zum Teil bleiern. Meer und Himmel verschmelzen unwirklich, der Horizont ist nicht mehr auszumachen. Zwei Delfine sorgen für einige Momente für Abwechslung.

Unter Motor und gelegentlichen Segelversuchen fahren wir dann aber doch weiter, 24 Seemeilen bis Poreč. Dort in der großen Bucht hat es viele freie Bojen für 40 € die Nacht. Wir liegen sicher und ruhig. Poreč mit seiner Basilika wollen wir uns am nächsten Vormittag anschauen und dafür den Abend lieber bei einem Bierchen und der Fußballübertragung des Champions League-Spieles Paris St. Germain gegen Bayern München verbringen, aber es kommt anders: Der Wetterbericht verspricht in den Vormittagsstunden überraschend guten Segelwind. Den nutzen wir. Aber schon um die Mittagszeit müssen wir wieder den Motor starten: Zwischen Poreč und Umag herrscht beinahe Flaute, nördlich von Umag bis nach Triest bläst dagegen die Bora mit Spitzengeschwindigkeiten von weit über 40 Knoten.

Das wollen wir uns nicht antun. Wir beschließen, Colette in der Bucht von Umag wieder an eine Boje zu hängen und zwei Tage bis Freitag zu warten. Am Abend erreicht dann die Bora auch Umag und die Boje, an der Schiffe bis max. 10 Tonnen hängen können, wird mit den 16 Tonnen unserer Colette und bei Böen um die 30 Knoten auf die Probe gestellt. Unsere Nerven auch. Aber beides hält. Nass werden wir trotzdem, denn bei der Überfahrt mit dem Dingi an Land sind die Wellen in der Bucht so hoch, dass das Wasser kräftig über die Luftkammern des Dingis spritzt…

Am Freitag schläft dann, wie vorhergesagt, die Bora ein. Anfänglich haben wir noch 12 bis 15 Knoten Wind aus Ost und Wellen bis einen Meter Höhe, Colette segelt hart am Wind aber trotzdem mit 7 Knoten. Dann lässt der Wind etwas nach und dreht über Nord nach West. Wie angenehm für uns, schließlich wollen wir ja nach Osten in den Golf von Triest. Wir segeln bis vor die Einfahrt zur Marina. Dort müssen wir dann allerdings unter Motor einige Kreise ziehen, bis der Marinero endlich Zeit hat, uns einen Platz zuzuweisen. 15.00 Uhr, wir liegen längsseits an der Pier.

Gegen 17.00 Uhr kommt Petra mit dem Zug in Triest an. Jetzt ist unsere Crew komplett.

Triest ist quirlig, laut, mondän und schön! Trotz der Österreichisch-Ungarischen Vergangenheit sehr italienisch. Gassen und Plätze sind voller Menschen. Es ist Erster Mai. Man hat Zeit, genießt die Sonne in Cafés und Bars und man will „sehen und gesehen werden!“ So viele Menschen, Autos, Roller und Motorräder, so viel Lärm in den Gassen habe ich seit Wochen (eigentlich seit Monaten) nicht mehr erlebt. Pula war dagegen wie leergefegt. Ach und was wäre Italien ohne seine Marktstände: Käse, Wurst, Oliven, Wein…

Wir bleiben den Freitag und den Samstag in Triest. Bummeln durch die Gassen, bestaunen die vier- und fünfstöckigen Bauten aus der Habsburger Kaiserzeit, die großen Plätze, die reichen Kirchen und antiken Fundstätten. Am Abend gehen wir gemeinsam zum Essen in die Osteria Marise. Auch das wird zum Erlebnis: Vorspeisen, Fischsuppe, Thunfischsteak! Welch Genuss!

Sonntagmorgen. Der Abschied von Triest wird uns leicht gemacht. Ein großes Kreuzfahrtschiff mit der Kapazität von über 3000 Passagieren schiebt sich langsam in das Hafenbecken von Triest. Die bis vor der Ankunft dieses Megaschiffs stattlichen und großen Gebäude der Stadt wirken plötzlich wie Spielzeugklötzchen. Schade. Wir gehen, Ziel Grado!

Grado ist ein kleines Lagunenstädtchen, 40 Seemeilen nördlich von Venedig. Durch die flache Lagune führt eine lange, betonnte Fahrrinne, um quasi von Hinten mitten in die Altstadt zu gelangen. Netterweise deuten uns die vorbeifahrenden Carabinieri mit ausholenden Gesten, dass wir noch weiter in der Mitte der Fahrrinne einschwenken sollen, am Rande wird es sehr flach – danke!

Der Kanal biegt auf seinem Weg zur Stadt zweimal im rechten Winkel ab und wird immer enger. Im letzten Kanalabschnitt reicht der Platz gerademal für ein Boot, da rechts und links Fischerboote festgemacht haben. Mitten in der Stadt weitet sich dann der Kanal wieder und gibt zum Anlegen begrenzten Platz an der Stadtpier frei. Was für ein Glück wir haben. Die gesamte Pier scheint belegt. Dann winkt uns eine italienische Familie, sie würde mit ihrem Motorboot wegfahren. Es ist eng und anstrengend, aber wir zirkeln Colette in die freie Lücke. Ein kostenloser Übernachtungsplatz mitten im Trubel der Stadt ist uns damit sicher.

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