Um den Stiefelabsatz

15.06. – 21.06.2026

In Brindisi muss ich auf meine nächste Crew warten, die wie geplant am Montagabend an Bord kommt. Aber mit Helga und Leo kann ich auch noch nicht gleich starten. Wir müssen noch einen Tag warten, denn erst am Mittwoch haben wir ordentlichen Wind, um nach Otranto weiter zu segeln. Das klappt dann sehr gut bei achterlichem Wind. Gleich nach der Ausfahrt aus der großen Hafeneinfahrt – hier müssen wir zuerst einer großen Autofähre den Vortritt lassen, die in den Hafen einfährt – können wir Segel setzen. Und unter Segel geht es die 46 Seemeilen zügig südwärts nach Otranto.

Otranto kenne ich ja schon recht gut von den Zwischenstopps nach Griechenland und zurück. Das Ankern fällt uns hier leicht in der großen Bucht vor dem Ort. Und wie schön, im Unterschied zu Brindisi haben wir hier sauberes Wasser. Endlich wieder baden, bei angenehmen Wassertemperaturen von 25° C. Der Bummel durch die Altstadt ist obligatorisch. Die Hauptsaison beginnt, in den Abendstunden drängen sich viele Touristen durch die historischen Gassen, Restaurants, Bars und die zahlreichen kleinen Geschäfte mit regionalen Besonderheiten, Kunsthandwerk und Souvenirs sind gut besucht: seit gestern sind in Italien Sommerferien, ab jetzt ist bis Mitte September Urlaubszeit!

Am Donnerstag geht es dann schon weiter, um den Absatz des italienischen Stiefels. Wieder können wir vom Ankerplatz zum Ankerplatz, also von Otranto bis St. Maria di Leuca, durchsegeln. Großartig. In St. Maria di Leuca setze ich Helga und Leo zum Ort über. Stadtbummel und Einkaufen. Leo kauft ein, was er braucht, denn Leo ist unser Koch und das ist hervorragend!

Für den Freitag ist guter Wind vorhergesagt, deshalb haben wir uns die lange Etappe über den Golf von Tarent vorgenommen. Über 60 Seemeilen. Das bedeutet aber auch, früh starten: Um 01:30 Uhr heben wir den Anker und fahren aus der hellen Bucht – in St Maria di Leuca sind Straßen und Gebäude beleuchtet – in die schwarze Nacht hinein. Für Helga und Leo ist es ihre erste Nacht unter Segel auf offenem Meer. Alles ist neu und damit Abenteuer. Wir haben gleich ordentlichen Wind, der uns beim Segelsetzen im Dunkeln mächtig Arbeit macht. Aber alles gelingt gut und dann geht es bei 15 bis 18 Knoten Wind auf einem Am-Wind-Kurs mit über 6 Knoten Fahrt in den Golf hinein.

Kein Mond, nur Sterne über uns. Der Leuchtturm von Leuca, der das südlichste Ende vom italienischen Festland markiert, begleitet uns mit seinem weißen Leuchtfeuer noch lange. Aber auch er wird irgendwann zu einem winzigen Punkt und verschwindet. Jetzt ist nur noch Wasser um uns und die Nacht über uns. Radar und AIS zeigen kaum Schiffsverkehr in unserer Nähe. Es gibt nichts zu tun als die schnelle Fahrt der Colette zu genießen.

Irgendwann nach 04:00 Uhr beginnt es zu dämmern und kurz nach 05:00 Uhr schiebt sich im Osten die orangerote Sonne über den Horizont. Dann braucht es nicht mehr lange, bis es wieder warm ist. Sonne, wolkenloser Himmel, tiefblaues Meer und wir mit unserer Colette unter Segel und in schneller Fahrt mittendrin. Was für ein schöner Segeltag.

Nach 11 Stunden haben wir die 65 Seemeilen hinter uns. Bis auf die Ankermanöver alles unter Segel mit durchschnittlich 5,5 Knoten pro Stunde zurück gelegt. Gute Leistung!

Der Anker fällt vor dem Strand von Cirò Marina. Der kleine Hafenort hat wenig Einladendes, aber wir können wieder Einkaufen und uns mit dem Nötigsten versorgen. Der schöne, historische Ort Cirò liegt oben in den Bergen, genauer in den Weinbergen, die für die guten kalabrischen Weine bekannt sind. Für uns ist der kleine Ort, dessen Geschichte bis zu den alten Griechen zurückgeht, zu weit weg. In Cirò hat Pythagoras gelebt und gelehrt! Und sicherlich auch schon guten Wein getrunken. Wir kaufen einige Flaschen zum Probieren. Ein Muss für Leo, den Kellermeister im Ruhestand.

Am nächsten Tag hält das Segelglück mit bestem Wind leider nicht mehr an: Der Wind wird schwach und launisch. Für uns heißt es immer wieder, zwischen Motoren und Segeln zu wechseln. Für die 35 Seemeilen bis zur naturbelassenen und unter Naturschutz stehenden Bucht östlich von Le Castella brauchen wir deshalb auch 11 Stunden. Aber immerhin, davon sieben unter Segel, wenn auch häufig nur mit drei Knoten Geschwindigkeit.

Dafür belohnt uns die herrliche Bucht mit klarem, warmen Wasser und einem orangebraunen, wilden Sandstrand. Hier wollen wir den Sonntag über bleiben. Baden, am Strand spazieren, Wassermachen, die Schiffstechnik checken…

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Joachim A. Voltz

    Hallo Wolfgang. Wir wünschen Dir eine wunderbare Reise, wo auch immer es hingeht. Wir sind wieder in Griechenland 🇬🇷 unterwegs. Derzeit auf Zakynthos. Jetzt noch etwas zum Peloponnes und dann langsam wieder Richtung Preveza. Ende Juli geht’s wieder nach Hause. Elke muß nach ihrer Mutter in der Seniorenresidenz schauen. ( Demenzgruppe). Vielleicht im September nochmals Griechenland.
    Gute Reise.

    Liebe Grüsse Joe & Elke Sy Saphira

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