Und wieder ein Abschied

11.05. – 17.05.2026

Friederike fährt am Montagmorgen mit dem Bus nach Pula und holt das Auto. Den Nachmittag nutzen wir zum Einkaufen, Wäsche waschen und Benzin für den Außenborder holen. Supermarkt und Waschsalon sind mit dem Auto schnell und bequem zu erreichen. Bis die Wäsche aber trocken wird, dauert es, obwohl der Wind kräftig bläst. Es ist zu kalt, feucht und immer wieder gibt es kurze Regenschauer.

Bei diesem Wetter mag ich auch nicht über die Kvarner Bucht fahren. Immer wieder checken wir den Wetterbericht. Vor Mittwoch scheint es keine Wetteränderung zu geben. Also haben wir noch den Dienstag miteinander. Dachten wir. Dann kommt doch ganz plötzlich der Abschied: Für den Mittwochmorgen ab vier Uhr tut sich ein gutes Wetterfenster auf. Wind von Osten, so dass ich gut über die Kvarner Bucht segeln können müsste. Zuvor will ich aber Außenborder und Dingi auf der Colette verstaut haben. Damit ich das in Ruhe und bei Tag machen kann, beschließt Friederike, bereits am Dienstagnachmittag zu fahren. Zuerst nach Bale (bei Rovinj, dort haben wir mit unserem vier- bis zehnjährigen Lukas oft den Sommerurlaub verbracht), um dort zu übernachten, denn die Kälte hat auch Schnee in den Alpen gebracht und da sollte man tunlichst nicht mit Sommerreifen drüber müssen, und am Mittwoch weiter nach München zu Petra und Jürgen und schließlich am Donnerstag nach Hause. Ab Freitag muss sie wieder arbeiten.

Das Packen fällt uns schwer. Wir sind einfach ein sehr gutes Team. Nicht nur hier an Bord, sondern in unserem ganzen gemeinsamen Leben.

Wie so oft regnet es, wenn ich mich in Kroatien von lieben Menschen verabschiede: „Der Himmel weint!“. Wir auch.

Plötzlich ist es sehr leer und einsam auf der Colette. Die Arbeit hilft gegen die Traurigkeit. Wir haben ja auf unserem Schiff alles so eingerichtet, dass eine Person alleine mit dem kleinen „Kran“ am Geräteträger den 30 Kilo schweren Außenborder sicher vom Dingi an Bord heben kann. Und auch unser großes Dingi kann man problemlos alleine mit einem Fall an Bord winchen. Dann noch Tank und Paddel verstauen und nach einer Stunde ist die Arbeit erledigt.

Mittwoch, 03.30 Uhr. Der Wecker muss nicht klingeln. Meine innere Uhr funktioniert bestens. Warm anziehen, Kaffee kochen und das Wetter prüfen. Es ist windstill. Ideal, um noch unter Anker das Großsegel zu setzen, dann den Anker zu lichten und unter Motor aus der Bucht von Banjole zu fahren. Außerhalb der geschützten Bucht von Banjole ist es vorbei mit der Windstille. Wie vorhergesagt hat der Wind auf Ost gedreht. Ich setze die Genua und mache den Motor aus. Herrlich, so lautlos in den beginnenden Tag hinein zu segeln. Nach einer Stunde habe ich Istrien hinter mir.

Jetzt kommt die gefürchtete Kvarner Bucht. Gefürchtet deshalb, weil hier oft die Bora von Osten mit weit mehr als 50 Knoten blasen kann. Heute ist der Ostwind mit 16 bis 20 Knoten „zahm“ und auch die Wellen sind mit einem Meter gut erträglich. Ich habe einen leichten Am-Wind-Kurs. Zu Genua und Großsegel setze ich noch die Babyfock und mit drei Segeln bringt mich Colette mit sechs Knoten flott über die Kvarner Bucht.

Auf der anderen Seite der Kvarner Bucht ist der Wind wie abgestellt. Schade. Ich brauche den Motor zur Unterstützung und so tuckere ich bis zur Insel Ist. Alles insgesamt 53 Seemeilen. Ein langer Ritt.

Auf der Nordseite der Insel darf man an der Kaimauer kostenlos anlegen. Das tue ich auch. Aber ganz „kostenlos“ wird es leider nicht. Beim Anlegen an der sehr hohen Kaimauer, ich stehe schon mit einer Leine an Land, drückt es Colette mit dem Heck von der Kaimauer weg und mit dem Bug gegen die Mauer. Lackschaden!

Die Insel Ist ist schön wie immer. Ich steige hinauf zur Kapelle und genieße die einmalige Aussicht über die Dalmatinische Inselwelt. Es sind nur wenige Segler unterwegs und die allermeisten in nördliche Richtungen, denn der Südost bläst wieder mit kräftigen Böen. Nur wenige quälen sich unter Motor durch die Wellen nach Süden.

An Christi Himmelfahrt ist der Dorfladen zu. Aber nicht die Dorfbar. Um die Mittagszeit sitzen hier einige Männer beisammen. In manchen Gärten stehen Männer mit Bier oder Weißwein am Grill. Ob in Kroatien an Christi Himmelfahrt auch Vatertag gefeiert wird?

Der Aufbruch am Freitagmorgen war so nicht geplant. Eigentlich wollte ich erst am Samstag weiter. Aber am Freitagmorgen gegen 03.00 Uhr schläft der Wind ein. Endlich wird es ruhig. Allerdings bleibt es so nicht lange. Der Wind dreht, Wellen drücken in die Bucht und gegen die Kaimauer. Zuerst sanft, dann immer stärker. Colette tanzt an der Kaimauer wild hin und her und auf und ab. Um 04.30 Uhr ist der Schwell so stark, dass ich um Leinen, Fender und Schiff fürchten muss. Ich lege ab. Ohne Kaffee und Frühstück und zum Glück auch ohne Schaden am Schiff.

Ziel Sukošan. Und kaum bin ich aus dem Windschatten der Insel Ist, setzt wieder der kräftige Südost ein. Also motoren. Nervig. Immerhin, für 20 Minuten besuchen mich drei Delfine. Die Großen Tümmler spielen mit dem Bug der Colette. Ihre Lebensfreude überträgt sich auch auf meine Stimmung: Es ist so wie es ist. Also motoren.

In Sukošan liegen einige Yachten an Bojen und andere vor Anker. Ich suche mir einen guten Platz und fahre gegen den Wind, der mit 20 Knoten kräftig bläst. Nicht ganz einfach, alleine den Kurs zu halten, möglichst zum Ankern aufzustoppen und dann den Anker fallen zu lassen. Es gelingt aber doch ganz gut, weil wir im ausgehenden Winter eine Ankerbedienung ins Cockpit gelegt haben. Den Rest macht der Wind. Er schiebt Colette rückwärts und gräbt den Anker tief in den Schlick. So liege ich sicher bei Wind, Regen und Gewitter. Hier kann ich gut auf Heiner warten, der am Sonntagabend an Bord kommen wird.

Der Samstag ist ein einziger Regentag. Ich putze und räume auf. Und ich bekomme Besuch! Ute kommt mit dem Bus von Zadar nach Sukošan. Ich setze mit dem Dingi über. Wir bummeln durch das kleine, verregnete Dorf und genehmigen uns in einer Bar einen PT. Ute bringt mir einen großen Strauß Rosmarinzweige und Salbei mit, dazu Ižer Kräutersalz. Der letzte Gruß von Veli Iž! Vielen Dank Ute. Vielen Dank für deinen Besuch und für dein Veli Iž!

Heute am Sonntag haben wir endlich den Wetterumschwung. Kommt jetzt der Frühling. Oder gleich der Sommer? Alte Ižer sagen, das gab es früher nie, dass es im Frühjahr von März über den April bis in den Mai so kalt und regnerisch bleibt. Und im Sommer ist es dann zu trocken und zu heiß.

Egal. Ich genieße die Sonne. Gestern hatte ich bei nur 11 ° C noch die Heizung an und gegen den Regen die Kuchenbude aufgebaut. Ab heute wird auf Sommer umgestellt!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Joachim A. Voltz

    Allzeit einen schönen Törn und genügend Bier in der Bilge🍺😄Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja wieder. Sind ab Ende Mai in Griechenland. Liebe Grüsse Joe & Elke Sy Saphira

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