Wieder einmal Kornaten

06. bis 10. April

Ich bekomme Besuch. Britta (meine Nachfolgerin in der Nationalparkleitung) und ihre Familie wollen eine knappe Woche mit mir segeln. Wir wählen die Kornaten als Segelrevier und werden dort mit tollen Tagen belohnt. Schon auf dem Weg von Veli Iž nach Šipnate, unserem ersten Ankerplatz, bekommen wir das erste große Highlight: wenigstens sechs Delfine, vielleicht auch acht, begleiten uns über eine halbe Stunde. Wir können drei Mütter mit ihren Jungen ausmachen. Die alten Tiere kommen immer wieder ganz nahe an die Colette und springen neben und vor uns aus dem Wasser. Was für eine Show! Sina (9 Jahre) und Leandra (12 Jahre) sind restlos begeistert. Wir Erwachsenen, Britta und ihr Mann Frank und ich, ebenso.

Die Kornaten sind schön wie immer. Und in der Vorsaison noch schöner. Wir sind weit und breit das einzige Schiff und selbstverständlich sind die Konobas in den Kornaten noch geschlossen. Aber das stört uns nicht. Wir begeistern uns an den geologischen Formen der vielen Inseln, der Kargheit der Vegetation, den Farbtupfern von Veilchen, Salbei, Traubenhyazinthen und Affodil und der Artenvielfalt im Wasser: Seegurken, Seesterne, Seeigel, Garnelen, Krabben, Schnecken. Bei einer Abendexkursion am Meersaum entdecken wir mit unseren Taschenlampen lange, grünschwarze und vorne gegabelte Fäden, die sich bei Berührung in Felsspalten zurückziehen. Das Internet hilft bei der Bestimmung. Es sind Grüne Igelwürmer. Nur die Weibchen. Denn die Männchen sind nie zu sehen, da sie im Eileiter der Weibchen leben. Es gibt eigenartige Lebewesen.

Der grüne Igelwurm

Wetter und Wind meinen es gut mit uns. Es ist sonnig und frühlinghaft warm. Wir können ohne Wellen angenehm segeln, tolle Landausflüge machen und meine Gäste baden. Bei gerade mal 17 Grad Wassertemperatur. Mutig!

In der ersten Nacht ankern wir in Šipnate, in der zweiten in der versteckten Bucht von Lavsa. Am Morgen, wir schicken uns gerade an, den Anker zu heben, kommt ein Mann mit seinem kleinen Boot bei uns vorbei und bietet uns frisch gefangenen Fisch an. Rotbarben, ein Haifisch und ein Pseudo-Thunfisch. Wir entscheiden uns für den Pseudo-Thunfisch und er schenkt uns noch eine Rotbarbe dazu. Das wird ein vorzügliches Abendessen.

Für die letzte Nacht in den Kornaten legen wir an der Kaimauer der Rangerstation in der Buch Levrnaka an. Noch ist die Rangerstation nicht besetzt. Wieder sind wir ganz alleine. Auf Bildern im Internet sehen wir, wie es hier im Sommer zugeht. Boot an Boot. Und noch schlimmer, am kleinen Sandstrand auf der anderen Inselseite liegen Handtuch an Handtuch, Mensch an Mensch. Jetzt haben wir die Insel, die Bucht und den kleinen Strand komplett für uns alleine.

Auf dem Weg zurück nach Veli Iž sehen wir nochmals Delfine. Nur kurz. Zwei, dreimal eine Rückenflosse. Heute scheinen die Meeressäuger müde zu sein. Jedenfalls haben sie keine Lust zur Colette zu kommen. Vielleicht spüren sie auch, dass bei uns an Bord ein wenig eine traurige Stimmung herrscht. Fünf Tage Segelurlaub sind halt schnell vorbei. Vielleicht ein andermal wieder.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Britta

    Das waren wunderbare Tage, lieber Wolfgang, vielen Dank, dass Du uns dieses tolle Erlebnis ermöglicht hast!
    Colette, das Wasser, die Inseln, die Delfine, die Sonnenuntergänge… wir werden die Zeit ganz sicher nicht vergessen – und es hat Lust gemacht auf mehr 🙂
    Bis hoffentlich ganz bald,
    Britta, Frank, Leandra & Sina

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