25.05. – 31.05.2026
Pfingstmontag. Viele Charteryachten sind unterwegs. Oft sind es deutsche Crews, die den Pfingsturlaub zum ersten Segeltörn im Jahr nutzen. Sehr verständlich. Die dalmatinischen Inseln sind im Frühjahr wunderschön: Das Grün der Aleppokiefern gibt den Inseln ein herrlich frisches Gewand und überall blühen gelbe Ginster, rote, weiße und rosafarbene Oleander, orange Granatäpfel, blaue Enzianbäume, violette Bougainvilleen… Die Lufttemperatur wird sommerlich und die Wassertemperatur steigt über 20 Grad. Badewetter!

Badewetter ist das Stichwort. Heiner und ich bleiben noch einen Tag in der Bucht Stipauska auf der Insel Marinkovac zum Baden, spazieren gehen und schauen, was die vielen Yachten so machen. Dabei kommen mir selbstverständlich Erinnerungen an unsere ersten Segeltörns mit Charteryachten in Kroatien. Wie auch wir uns beim Ankern noch ungeschickt angestellt haben und unsicher waren, ob der Anker auch halten wird. Man muss seine eigenen Erfahrungen machen. So auch die Crew mit jungen Burschen, denen der Anker ausrauscht, also die Kette komplett durch die Ankerwinde läuft und schließlich in der Tiefe der Ankerbucht verschwindet. Eigentlich ist es nicht ihr Fehler, dass die Ankerkette ausrauschen kann. Der Vercharterer hätte dafür sorgen müssen, dass das Endglied der Kette im Ankerkasten mit einer Leine gesichert ist. Aber der Vercharterer ist jetzt weit weg und die Jungs haben das Nachsehen. Zuerst versuchen sie, ihre Yacht mit Landleinen zu sichern, was aber nicht gelingen will. Dann tauchen zwei nach dem Anker, finden ihn auch und sichern ihn mit einer langen Leine. Jetzt müssen sie aber die Leine und Kette noch nach oben bringen, in ihr Dingi ziehen und bei ihrer Yacht wieder in die Ankerwinde einführen. Völlig erschöpft gelingt ihnen schließlich das Manöver.


In den letzten drei Jahren hat sich auch in Vela Luka einiges verändert. In der Bucht direkt vor der Stadt gibt es für Gastlieger keine Bojen mehr. Dafür soll man am Stadtkai anlegen dürfen. Dort liegen aber große Ausflugsboote. In die teure Marina wollen wir nicht, die übrigens im Unterschied zu vor drei Jahren recht gut gefüllt ist. Also ankern wir in der Bucht vor der Altstadt. Das sei erlaubt, kostet aber, wenn der Hafenmeister vorbeikommt. Wir bleiben zwei Nächte, der Hafenmeister kommt nicht. Auch gut.


In Vela Luka bringe ich meine Wäsche zu Lindas Laundry (wie vor drei Jahren, siehe dazu den Gedankensplitter „Die Sache mit der Wäsche“). Am nächsten Abend kann ich die frische Wäsche abholen, sagt mir ihre Tochter, die zusammen mit ihrem Bruder im Laden steht. Linda selbst höre ich nur übers Telefon.
In Vela Luka gehen wir freilich in der „weltbesten“ Pizzeria essen (ein Muss!) und dann haben wir eine langen Tag Zeit, um auf die Wäsche zu warten. Wir nutzen dies und nehmen den Bus nach Korčula. 40 Kilometer längs über die grüne Insel. Vorbei an Weingärten und Olivenhainen und durch kleine Dörfer. In einem Dorf blockiert ein Feuerwehrauto die schmale Straße. Es brennt nicht, es ist auch kein Unfall passiert. Die Schwenkbühne des Löschfahrzeugs wird gebraucht, um an den Laternenmasten entlang der Hauptstraße kroatische Flaggen anzubringen.
Das alte Korčula begeistert uns. Auch wenn das Städtchen jetzt zu den Pfingstferien sehr viele Touristen aushalten muss. Aber in den Gassen und Gässchen verlieren sich die Massen etwas.












Die nächsten Tage ist der Wind unbeständig. Wir wechseln immer wieder zwischen Motor und Segeln. Auf besseren Wind warten können wir nicht, schließlich müssen wir am Sonntag in Cavtat sein, denn Heiner fliegt von dort aus zurück. Wir segeln über Badija (Ostspitze von Korčula) und Slano, am Festland vorbei an Dubrovnik in die Bucht von Cavtat. Schon weit vor einem möglichen Ankerplatz kommt uns der „offizielle Vertreter der Hafenbehörde“ (so nennt er sich selbst) mit seinem Boot entgegen: „Ankern ist erlaubt, kostet aber vier Euro pro Bootsmeter!“ sagt er bestimmt aber freundlich. Dann schickt er uns in die westliche Bucht der Halbinsel. Dort würden wir ruhiger liegen.



Was für eine Idee. Kaum dass wir unseren Anker auf 18 Meter Tiefe gesetzt haben, gibt es am Ufer einen Soundcheck. Abba laut! Und mit dem Dunkelwerden bricht dann die Kakaphonie über uns herein. Um die Bucht gibt es mindestens 10 Restaurants, jedes mit eigener Musik. Dann ist auf dem Kirchenvorplatz und auf den Treppenstufen ein großer Menschenauflauf. Es wird lauthals gesungen und junge Männer schwenken große kroatische Fahnen. Die Menschen sind fein herausgeputzt: Abendgarderobe! Es muss ein wichtiges Fest sein. Wir googeln und werden fündig. Heute ist der „Tag der Staatlichkeit“. Am 30 Mai 1990 gründete sich das erste kroatische Parlament und Kroatien erklärte sich vom Jugoslawischen Staatenbund unabhängig. Was dann folgte ist bekannt, der schwierige Loslösungsprozess, der schließlich zum Jugoslawienkrieg und zur Auflösung von Jugoslawien führte. Seit damals ist Kroatien ein eigenständiges Land.
In Cavtat herrscht heute also Feierlaune. Drei oder vier Livekonzerte beschallen die Bucht. Die „Abba-Band“ ist mit Abstand am lautesten, gefolgt von einer Disco und im Hintergrund kroatische Schlager. An Schlaf ist nicht zu denken. Dann, um halb elf, umkreist uns auch noch ein kleines Boot mit zwei Männern. Beinahe fahren sie uns vorne gegen den Bug. Ob sie betrunken sind? Sie machen an einer kleinen Boje unweit von uns fest. Ihre Leine lässt sie bis auf 10, 15 Meter zu uns treiben. Es erschließt sich uns nicht, was die beiden vorhaben. Erst recht nicht, als sie alle Lichter an Bord ausmachen und ihr Cockpit verhüllen.

Punkt 23 Uhr kommt die Klärung mit einem Donnerschlag! Direkt neben uns zünden die beiden ein Feuerwerk, das sie auf ihrem Vorschiff aufgebaut haben. Neben uns knallt es und über uns leuchten die bunten Feuerwerksblumen. Papierfetzen und Asche regnen auf unser Schiff herunter. Wenn die beiden vorher tatsächlich mit ihrer Donnerkraft unseren Bug gerammt hätten, kaum auszumalen. Die Feuerschau geht zum Glück nur kurz, dann haben Abba und die Disco wieder die Bucht für sich…



Sonntagmorgen. Wieder ein Abschied. Heiner packt seine Sachen und nach dem Frühstück bringe ich ihn mit dem Dingi an Land. Lieber Heiner, das waren zwei schöne Wochen! Danke für deine angenehme Begleitung und Unterstützung. Gerne einmal wieder.

Zwei Woche auf einem Segelboot die Dalmatische Küste bereisen- ein Traum. Einer, der Wirklichkeit wurde. Vielen Dank Wolfgang und vielen Dank auch Friederike! Seit ich vor vielen Jahren meinen kleinen Binnen-Segelschein gemacht habe, wollte ich gerne aufs Meer hinaus. Diesen Traum habt Ihr mir erfüllt. Und die Wirklichkeit blieb nicht hinter meinen Vorstellungen zurück. Im Gegenteil! Ich habe diese Reise sehr genossen. Das merke ich daran, wie oft ich jetzt im Alltag noch daran denke.
Ein Abenteuer in mancherlei Hinsicht: wie lebt es sich als Landratte auf einem 13 Meter Schiff? Ich gebe zu, ich hatte leichte Bedenken. Und dann war da Wolfgang, Dr. Schlund, der alte Nationalparkchef. Ich habe tatsächlich ein paar Tage gebraucht, um die Veränderung zu begreifen. Das war nicht mehr der Leiter des großen Naturschutzgebiets, das war auf einmal der Skipper, der da vor mir stand: barfuß, mit dem vertrauten, sympathischen Grinsen im Gesicht und den mindestens genauso sympathischen kleinen Löchern im T-Shirt und den selbstgeflickten Jeans. Genau so, wie ich sie selbst am liebsten trage ;-).
Wir hatten wirklich eine gute Zeit in diesen zwei Wochen. Und wir haben uns auf eine Weise neu kennen gelernt. Aus der professionellen Ebene wurde eine private. Das war spannend und schön und ich habe ein paar Tage gebraucht, um das zu kapieren. Auch dafür vielen Dank, lieber Wolfgang.
Jetzt schau ich immer mal wieder bei SY Colette vorbei und bin gespannt, wie es bei Euch weiter geht. Ihr habt meine Bewunderung und alle meine guten Wünsche für Eure große Tour. Bleibt gesund, Mast und Schotbruch oder so, Heiner.